Wenn man ehrlich ist, hat man das in mancher Vorstandsetage wohl ahnen können: Das rasante Wachstum, das China über viele Jahre zum Top-Markt deutscher Konzerne gemacht hat, ist erst einmal Geschichte. Das „Handelsblatt Research Institute“ hat es schwarz auf weiß: Unter den 15 Dax-Unternehmen, die regelmäßig ihre China-Zahlen offenlegen, und zwölf nennenswert chinainteressierten MDax- oder SDax-Firmen ist der Umsatzanteil aus Fernost von rund 18,6 auf nur noch 14,9 Prozent gefallen – binnen vier Jahren. Besonders heftig erwischt es bekannte Namen: Autofirmen wie Volkswagen haben 2020 noch knapp 42 Prozent ihrer Karossen im Land der Mitte an den Mann gebracht, 2025 dürften es kaum 30 Prozent werden. Auch Größen wie Adidas und Siemens reißen keine Rekorde mehr – ihre China-Erlöse sind geraten auf Raten ins Rutschen. Die Zahlen sind nur die Folge von etwas Größerem: Überkapazitäten, knallharte Konkurrenz, ein Preiskampf, der selbst der deutschen Gründlichkeit zusetzt. Gewinner sieht das anders aus. Und ja, das betraf früher immer „die anderen“. Jetzt nicht mehr.
Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass deutsche Konzerne in China ringen: Einerseits wächst die chinesische Konkurrenz, die häufig günstiger produziert, andererseits kämpfen die deutschen Unternehmen mit veränderten Konsumgewohnheiten und einer zunehmend abgeschotteten Wirtschaftspolitik vor Ort. Hinzu kommen geopolitische Spannungen und ein stärkeres Bekenntnis der chinesischen Regierung zur Stärkung eigener Marken – all das erschwert den Marktzugang für ausländische Firmen zusätzlich. Bemerkenswert ist auch, wie unterschiedlich die Branchen reagieren: Während die Autobauer und Konsumgüterhersteller deutliche Verluste hinnehmen, halten manche Hightech- und Spezialmaschinenbauer sich noch vergleichsweise stabil – was aber kein Allheilmittel für die insgesamt sinkende Bedeutung Chinas als Absatzmarkt ist.