Deutschland und die KI: Realismus statt Größenwahn – ein dritter Platz als neues Ziel?

Früher träumte man in Berlin von der Weltspitze im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Inzwischen gibt sich die Politik bescheidener – und hofft auf Anschluss.

heute 16:19 Uhr | 3 mal gelesen

Als Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) am Dienstag in Neuhardenberg die Kabinettsklausur eröffnete, wirkte er ungewöhnlich offenherzig: Der Rückstand Europas gegenüber den USA und China bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz sei so gravierend, dass Deutschland sich vorerst mit einer Verfolgerrolle begnügen müsse. Durchaus frustrierend, aber eben realistisch. Wildberger sieht die Bundesrepublik jetzt irgendwo zwischen Platz drei und vier – immerhin: Deutschland hat als Industrienation Erfahrung mit technischen Umbrüchen. Es wäre also falsch, den Kopf komplett in den Sand zu stecken. Besonderen Fokus legt die Regierung nun auf die industrielle Verwendung von KI. Hier, zwischen Schweißrobotern und cleveren Produktionsstraßen, glaubt manzulanden zu können. Eine Art KI-Giga-Factory schwebt dem Ministerium vor – nicht nur als Symbol, sondern als echter Knotenpunkt für Forschung und Anwendung. Das klingt fast nach trotziger Aufbruchstimmung, ein wenig Ehrgeiz ist also geblieben, auch wenn man die ganz große Bühne den anderen überlässt.

Die Bundesregierung hat mittlerweile Abstand davon genommen, in Sachen KI zur absoluten Weltspitze aufzuschließen. Stattdessen setzt sie auf einen realistischen Platz unter den führenden Nationen, wobei der Fokus klar auf dem industriellen Nutzen und praktischen Anwendungen liegt. Neuere Entwicklungen zeigen, dass der Rückstand auf die führenden Länder zwar bestehen bleibt, Deutschland aber gezielt Investitionen und Initiativen einsetzt, um zumindest in Nischen – wie der automatisierten Produktion – vorne dabei zu sein. Darüber hinaus ist zu beobachten, dass andere europäische Länder, insbesondere Frankreich und Großbritannien, gerade in bestimmten KI-Bereichen an Dynamik gewinnen und mit staatlichen Programmen sowie flexiblerem Umgang mit Daten punkten. Deutsche Unternehmen nehmen inzwischen KI verstärkt in ihre Prozesse auf, allerdings fehlt es weiterhin an Risikokapital, offenen Datenzugängen und ausreichend digitaler Infrastruktur – Punkte, die nach wie vor als Bremsklötze gelten. In politischen Debatten taucht zudem immer häufiger der Wunsch nach einer europäischen KI-Identität auf, die auf ethische und sichere Systeme setzt.

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