Der Ton der EVG-Gewerkschaft ist scharf geworden: Martin Burkert, Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, stellte gegenüber der "Bild am Sonntag" klar, dass man nicht länger zusieht, wie politische Versprechen versanden. "Ohne härtere Gesetze gegen Gewalt an Zugpersonal noch dieses Jahr, ist im Januar Schluss mit Regionalzugverkehr," so Burkerts unverhohlene Drohung in Richtung der Bundesregierung. Die Enttäuschung sitzt tief: Nach dem Mord an Serkan Calar habe die Politik zwar Betroffenheit gezeigt, aber den Worten keine echten Taten folgen lassen, schildert der Gewerkschaftsboss. Eisenbahner arbeiteten jeden Tag unter Angst, attackiert zu werden, und verlangten schon lange, rechtlich bessergeschützt zu werden. Beim Sicherheitsgipfel der Bahn im Februar hatte die Regierung bereits einmal zugesichert, das Zugpersonal in den geplanten Änderungen zum Strafrecht aufzunehmen – bislang ist das aber nicht geschehen. Konkret fordert die EVG eine Verdoppelung der Mindeststrafe für Angriffe auf Zugbegleiter und Kollegen, hinein ins bestehende Gesetzespaket für mehr Schutz von Rettungskräften. Sollte das Gesetz dieses Jahr nicht ins Parlament kommen, werden die Betriebsräte im Januar keine Dienstpläne absegnen: Ein bundesweiter Streik der Regionalbahnen droht. Millionen Pendlerinnen und Pendler könnten dann vor verschlossenen Bahnsteigen stehen. "Jeden Tag werden im Schnitt acht Zugbegleiter im Dienst attackiert – und keiner weiß, ob er nach Feierabend heil nach Hause kommt," bringt Ralf Damde von DB Regio die Stimmung unter den Kollegen auf den Punkt. Das Ministerium beteuert, der Gesetzentwurf werde aktuell noch abgestimmt, ein Abschluss sei für dieses Jahr vorgesehen. Ob Zugpersonal wirklich ein expliziter Teil der Reform wird – genau das bleibt aber offen.
Unmut und Angst breiten sich unter Zugbegleitern immer weiter aus: Seit der tödlichen Attacke auf Kollegen hat die Bahngewerkschaft EVG mehrfach an die Politik appelliert, das lange versprochene Gesetz zum besseren Schutz von Bahnpersonal endlich im Bundestag zu beschließen. Durch die Verzögerung wächst nicht nur die Unsicherheit der Beschäftigten, sondern auch die Drohkulisse: Bleibt das Gesetzespaket aus, will die EVG Anfang kommenden Jahres bundesweit Regionalzüge stilllegen und so direkten Druck auf die Regierung ausüben. Eine aktuelle Recherche zeigt zudem, dass Angriffe auf Bahnmitarbeiter weiterhin erschreckend häufig sind; Diskussionen über schärfere Strafen gewinnen daher immer mehr an Dringlichkeit.