Patientenschützer drängen auf Meldepflicht und zentrales Register für Behandlungsfehler

Angesichts neuer Statistiken über Behandlungsfehler fordern Patientenvertreter endlich mehr Offenheit und konkrete Unterstützung für Geschädigte – die bisherige Fehlerkultur im Gesundheitssystem hält sie für mangelhaft.

heute 01:02 Uhr | 3 mal gelesen

Etliche Tausend Tote jährlich gehen in deutschen Krankenhäusern schätzungsweise auf vermeidbare Fehler zurück – klingt dramatisch, ist aber Realität. Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, wird in der 'Neuen Osnabrücker Zeitung' zitiert und bringt auf den Punkt, was viele vermutlich lieber nicht hören wollen: Das Land braucht dringend ein zentral geführtes Verzeichnis, wo sämtliche Behandlungsfehler erfasst werden, und zwar nicht nur im Krankenhaus, sondern auch in Arztpraxen. Und um es direkt zu sagen: Ein Hilfsfonds für schwer Betroffene wäre wohl das Mindeste an Unterstützung. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen wird bald neue Zahlen vorlegen. Interessanterweise hatte die Techniker Krankenkasse gerade erst einen Höchststand an Verdachtsfällen bei ihr selbst vermeldet. Trotzdem, so Brysch, sei von einem realistischen Gesamtüberblick keine Rede – die offiziellen Statistiken gleichen eher Flickenteppichen als einer Landkarte. Geradezu ernüchternd fällt Bryschs Urteil über die Fehlerkultur in Kliniken und Praxen aus: Sowohl Ministerien als auch die eigentlichen Leistungserbringer widmen dem Thema kaum Aufmerksamkeit; es sei überfällig, hier endlich aktiv zu werden. Seine Liste an Forderungen ist klar: Zentrales Register, Härtefallfonds, eine Umkehr der Beweislast bei eindeutigen Fehlern zugunsten der Patientenseite – und Verpflichtung, kritische Zwischenfälle systematisch zu melden. Das sogenannte CIRS-System existiert zwar, doch ist die Teilnahme bislang freiwillig: Ganze 500 gemeldete Fehler in zehn Jahren in beteiligten Hausarztpraxen sprechen Bände. Es wird Zeit für eine grundlegende Neuausrichtung.

Die Forderungen nach mehr Aufklärung und systemischer Erfassung von Behandlungsfehlern sind nicht neu, doch die Dringlichkeit, die Patientenschützer dieses Mal an den Tag legen, lässt aufhorchen. Denn aktuelle Schätzungen deuten darauf hin, dass jährlich zehntausende Menschen durch medizinische Fehler zu Schaden kommen oder sogar sterben – und dabei bleiben viele Fälle statistisch unsichtbar. Neu hinzugekommen ist die Forderung nach einer gesetzlichen Neuregelung der Beweislast: Patient:innen sollen nicht erst aufwendig nachweisen müssen, dass ein Fehler passiert ist, sondern bei eindeutigen Anhaltspunkten soll ein System greifen, in dem die medizinische Seite für Aufklärung sorgen muss. Medien berichten, dass neben den klassischen Forderungen nach Transparenz und Hilfsfonds auch kritisiert wird, dass die vorhandenen Meldesysteme viel zu wenig genutzt werden und es fast schon erschreckend wenig validiertes Datenmaterial gibt. Experten schlagen vor, sich Beispiele aus skandinavischen Ländern oder Großbritannien anzuschauen, wo längst verpflichtende Meldestrukturen existieren und Opfer medizinischer Fehler leichter entschädigt werden. In der Politik ist der Ball damit wieder im Feld – und der gesellschaftliche Druck wächst.

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