Da brennen hunderte Hektar im Hürtgenwald oder gleich Tausende im Hohen Venn – und jedes Mal stellen sich dieselben Fragen: Räumen? Aufräumen? Pflanzen? Peter Wohlleben winkt ab. Für ihn, pragmatisch und doch ein bisschen romantisch, ist klar: "Die Natur regelt das bereits selbst, davon bin ich überzeugt. Sie hat längst ein Notfallprogramm aufgebaut." Was schlimm wäre, sei das panische Platzmachen mit schwerem Gerät, das Verdichten der Erde, das Plattmachen der letzten Humusschicht. "So würden wir nur den noch lebenden Boden restlos zerstören und ihm Hitze, Trockenheit, vielleicht auch unserer eigenen Ungeduld aussetzen." Die eiserne Ruhe des Waldes nach der Katastrophe – genau die solle man respektieren. Im Hürtgenwald, sagt er – und zögert keine Sekunde –, sehen wir schon im übernächsten Sommer erste Sprösslinge wachsen, vielleicht schon nächstes Jahr erste grüne Schatten. Wilde Anpflanzungen seien deswegen überflüssig. Falls in ein paar Jahren Bäume fehlen – dann bitte Laubwälder, am besten heimische. "Wer nach Riesenbränden wieder Fichten oder Douglasien pflanzt, der baut die nächste Katastrophe direkt mit ein." Denn heimische Laubwälder gehen nicht so leicht in Flammen auf, die Verbrennung an sich ist fast immer ein Zeichen von Monokultur oder von eingeführten Arten. Übrigens: Dass das Wetter für Feuer immer gefährlicher wird, ist spürbar – und ja, das hat mit der Erderhitzung zu tun. Aber nie ist eine Brandursache so simpel wie es scheint, politische Debatten darüber lässt Wohlleben meistens links liegen. Interessanterweise denkt er auch schon an die nächste Generation: Geduld, Gelassenheit, ein bisschen Hoffnung – die Mischung empfiehlt er allen.
Peter Wohlleben empfiehlt bei brandzerstörten Waldflächen Zurückhaltung statt übereilter Maßnahmen: Aktive Aufforstung sei oft unnötig, heimische Arten könnten auch natürlich zurückkehren. Statt Boden zusätzlich durch Maschinen oder Rodungen zu schädigen, plädiert er für ein vorsichtiges Beobachten des natürlichen Prozesses. Er sieht vor allem in Monokulturen mit nicht-heimischen Nadelbäumen ein großes Problem für künftige Waldbrandschäden. Aktuell mehren sich wissenschaftliche Hinweise, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß von Waldbränden erhöht, gerade in Regionen wie Südeuropa, Australien und den USA. Laut den aktuellsten Analysen aus Umwelt- und Klimaforschung (z.B. [FAZ](https://www.faz.net/)) finden sich immer klarere Zusammenhänge zwischen steigenden Temperaturen, längeren Trockenphasen und erhöhtem Brandrisiko auch in Mitteleuropa. In mehreren Berichten wird zudem davor gewarnt, dass schnelle wirtschaftliche Interessen – etwa Holzgewinnung nach Bränden – oft zu noch größeren langfristigen Schäden führen. Im gesellschaftlichen Diskurs wächst die Nachfrage nach naturnahen Strategien im Umgang mit Waldbränden und ihren Folgen.