Mittwochnacht, ein neues Präsidialdekret: Die Vizechefin des ukrainischen Präsidialamts, Iryna Mudra, muss gehen – und das sang- und klanglos, ohne offizielle Erklärung. Kurz zuvor hatte die Antikorruptionsbehörde NABU öffentlich gemacht, dass eine breit angelegte Ermittlung wegen Korruption läuft. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, eine 'kriminelle Organisation' im politischen Machtbereich werde durchleuchtet. Die Ermittlungen richten sich laut NABU gegen aktuelle wie ehemalige Beamte, mit besonderem Hinblick aufs Präsidialamt. Dass ausgerechnet unmittelbar nach der NABU-Mitteilung die Entlassung erfolgte, lässt tief blicken. Die politischen Nerven liegen ohnehin blank: Nach jüngsten Kontroversen um Neuwahlen und zuletzt personellen Wechseln an der Verteidigungsspitze schwelt im Selenskyj-Lager ein Dauerkonflikt. Selenskyj steht ohnehin seit Monaten im Visier der Öffentlichkeit – und nun zieht auch die Vergangenheit von Ex-Stabschef Jermak weiter Kreise.
Die plötzliche Entlassung von Iryna Mudra fällt mitten in eine Phase, in der die Ukraine unter verstärkter internationaler Beobachtung steht, was die Bekämpfung von Korruption angeht. Die Verknüpfung der Entlassung mit aktuellen Ermittlungen der Antikorruptionsbehörde NABU legt nahe, dass die Regierung die Transparenz und eigene Glaubwürdigkeit demonstrieren will, doch die vage Kommunikation sorgt für viele offene Fragen. Internationale Medien spekulieren, ob Selenskyj unter Zugzwang steht, weil die ukrainische Regierung unter anderem für weitere Hilfsgelder aus dem Westen nachweisen muss, ernsthaft gegen Korruption vorzugehen. Aus Recherchen verschiedener Nachrichtenportale ergibt sich außerdem ein Bild zunehmender politischer Unruhe, nicht zuletzt durch Forderungen nach Wahlen trotz Kriegsrecht und eine weiterhin präsente Streitkultur um Posten und Einflussnahmen innerhalb der Regierungsriege.