Joachim Rukwied, der Mann, der schon so viele Jahre für die Interessen der deutschen Landwirte kämpft, hat sich jüngst ziemlich deutlich geäußert – und zwar nicht gerade diplomatisch. "Putin hat den Weizen längst zur politischen Waffe gemacht, um Europa und die USA wirtschaftlich in die Zange zu nehmen", sagte er laut "Bild". Wer hätte gedacht, dass ein Grundnahrungsmittel im 21. Jahrhundert zum geopolitischen Druckmittel wird?
Russland, argumentiert Rukwied, habe in den letzten Jahren Erntebilanzen abgeliefert, wie sie im Buche stehen: Drei fette Jahre, voll und ganz auf Export ausgerichtet. Mit dieser schieren Masse flutet Russland quasi den Weltmarkt, die Preise rutschen ab, die Bauern etwa hierzulande – die schauen buchstäblich in die Röhre. Und als wäre das nicht schon genug, steigen Betriebskosten und Preise für Dünger und Diesel eher, als dass sie nachgeben würden.
Rukwied klingt besorgt – und ehrlich gesagt, ist er das vermutlich auch: Die Lage auf den Höfen ist alles andere als rosig. Sicher, Übertreibungen und Schuldzuweisungen sind nicht neu im politischen Schlagabtausch, aber Rukwieds Ruf nach Hilfe zielt nicht bloß auf Subventionen. "Die Bundesregierung ist jetzt gefragt", fordert er, und setzt Ernährungssicherheit der Verteidigungsfähigkeit gleich. Diese Gleichsetzung ist gewagt – oder vielleicht gerade nicht? Vielleicht sollte man sie ernster nehmen, als es auf den ersten Blick erscheint. Wer weiß schon, wie sich der globale Ackerbau entwickelt, wenn Getreide plötzlich zur Währung im politischen Spiel mutiert.
Mir persönlich bleibt nach solchen Aussagen immer eine Spur von Unsicherheit: Ist das wirtschaftliche Taktik, ist das Blankziehen in der Hoffnung, endlich gehört zu werden – oder steckt in all dem ein Kern beunruhigender Wahrheit? Tatsache ist jedenfalls, dass viele deutsche Bauern wirtschaftlich auf dem Zahnfleisch gehen. Da reicht oft schon ein schlechter Preis, und die Ernte wird zum Minusgeschäft.
Russlands Strategie, gewaltige Mengen Weizen zu günstigen Preisen in den internationalen Handel zu geben, setzt laut Rukwied gezielt die westlichen Landwirtschaften – und besonders deutsche Bauern – unter Druck. Hinzu kommen seit Monaten steigende Betriebskosten und eine insgesamt angespannte wirtschaftliche Situation auf den Höfen. Rukwied fordert deshalb die Bundesregierung auf, Ernährungspolitik als sicherheitsrelevantes Thema zu verstehen und entsprechend zu handeln.
Neuere Berichte zeigen zudem, dass Russland nach offiziellen Angaben 2023 eine Rekordgetreideernte eingefahren hat und Exportmöglichkeiten weiter ausbaut. Auch im internationalen Agrarhandel gilt russisches Getreide inzwischen als bestimmender Faktor für die Preisbildung. Gleichzeitig gibt es in der EU wachsende Forderungen nach Schutzmechanismen gegen sogenannten „Agrardumping“ und stärkeren Kontrollen von Importen aus Drittstaaten, besonders im Lichte geopolitischer Machtverschiebungen. Rukwieds Warnung trifft also einen durchaus aktuellen Nerv – die Lage auf dem globalen Weizenmarkt ist politischer geworden als vielen lieb ist.