Vermögensschere in Deutschland schließt sich – ein wenig

Jahrelang klaffte die Kluft zwischen Arm und Reich hierzulande immer weiter auseinander. Doch seither hat sich das Blatt gedreht: Deutschland erlebt, wenn auch eher zaghaft, eine Annäherung der Vermögensverhältnisse.

heute 00:03 Uhr | 2 mal gelesen

Eine Auswertung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft entstand und zunächst der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt wurde, bringt es auf den Punkt: Nach den ausufernden Ungleichheiten der 90er und frühen 2000er Jahre ist das Vermögensgefälle nach der Finanzkrise etwas geschrumpft – allerdings nicht überall und nicht nachhaltig. Die Reichen mussten teils herbe Verluste hinnehmen, während die breite Bevölkerung immerhin vom Wirtschaftswachstum und höheren Reallöhnen, gepaart mit niedrigen Zinsen, profitieren konnte. Dadurch gelang es vielen, das eigene Nettovermögen – also alles an Wertbesitz minus Schulden, zum Beispiel für Immobilien oder Autos – auszubauen. Sogar der kurze Corona-Boom beim Sparen spielte mit hinein: Wenig Konsum, mehr Geld zum Anlegen. Allerdings fraß die jüngste Inflation diesen Effekt wieder weitgehend auf. Doch insgesamt bleibt Deutschland unter den westlichen Industrienationen ein Land ausgeprägter Ungleichheit – ganz ähnlich wie skandinavische Länder, paradoxerweise trotz gut ausgebauter Sozialssysteme. Der Grund: Die individuellen Ansprüche auf staatliche Versorgung wie die Rente tauchen in den internationalen Vergleichen gar nicht auf – zählten sie mit zu den Vermögenswerten, sähe die Kluft kleiner aus. Interessant, wie stark das Bild innerhalb Deutschlands schwankt: Während im Süden Haushalte durchschnittlich auf ein Nettogeldpolster von über 440.000 Euro kommen, sind es im Osten nur 169.000 Euro. Noch frappierender ist der Unterschied beim typischen Haushalt (Median): Im Süden 189.000, im Osten weniger als 36.000 Euro. Hier schlagen die späte Vermögensbildung nach der Wende und geringe Wohneigentumsquoten zu Buche. Das IW empfiehlt übrigens nicht, die Vermögenden stärker zur Kasse zu bitten – sondern eher, die Bevölkerung beim eigenen Vermögensaufbau zu unterstützen. Etwa durch niedrigere Kaufnebenkosten bei Immobilien. Klingt erstmal nach einem pragmatischen, wenn auch wenig revolutionärem Ansatz.

Während sich in den letzten Jahren die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland leicht geschlossen hat, bleibt die Ungleichheit im europäischen Vergleich hoch. Besonders frappierend sind die regionalen Unterschiede zwischen Ost und Süd, die auf historische und strukturelle Ursachen zurückgehen – insbesondere auf den verspäteten Start der Vermögensbildung in Ostdeutschland und eine geringere Wohneigentumsquote. Laut aktuellen Medienberichten sind die Auswirkungen der Inflation weiterhin spürbar, und viele Experten diskutieren, wie politische Maßnahmen – etwa durch steuerliche Entlastung beim Immobilienkauf oder stärkere Förderung des Vermögensaufbaus – der Entwicklung entgegenwirken könnten. Ergänzend ergeben sich aus zusätzlichen Recherchen: Neueste Debatten in Deutschland drehen sich um die Frage, ob und wie reale Vermögenschancen breiter verteilt werden können. Das Thema soziale Gerechtigkeit bleibt umstritten, nicht nur wegen wirtschaftlicher Faktoren, sondern auch angesichts politischer Verwerfungen. Außerdem gibt es aktuellen Streit über die Zukunft des Wohneigentums, da steigende Zinsen und Immobilienpreise gerade für junge Familien Hürden darstellen. Weiterführende Hinweise aus der Presse der letzten beiden Tage: - Auf taz.de wird kritisch hinterfragt, ob Förderprogramme wie das Baukindergeld überhaupt nachhaltig zur Vermögensbildung beitragen oder vielmehr die Preise nach oben treiben. - Die FAZ diskutiert, wie internationale Vergleiche durch die Nicht-Berücksichtigung staatlicher Rentenansprüche verzerrt werden und ob die deutsche Statistik tatsächlich die Realität gut widerspiegelt. - Die Süddeutsche Zeitung beleuchtet aktuell die Auswirkung der Inflation auf die soziale Balance – und warnt, dass prekäre Haushalte ohne politische Korrekturen zunehmend abgehängt werden.

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