Dobrindt stellte klar: Sowohl Bundespolizei als auch das BAMF hätten bereits öffentlich Stellung zu der Thematik bezogen, Einblick in die jeweiligen Dokumente sei transparent möglich. Im Interview betonte er: 'Man findet einen offenen Umgang – und die Untersuchung stammt zudem nicht einmal aus unserem Haus.' Er wies darauf hin, dass die Studie schon in einer weiter zurückliegenden Wahlperiode angestoßen wurde und mittlerweile der Öffentlichkeit zugänglich sei. Daher sei die Darstellung, Informationen seien zurückgehalten worden, schlichtweg falsch. Mit Blick auf die Ergebnisse wiederholte er, dass der Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in deutschen Behörden sehr professionell agiere.
Die "InRa"-Untersuchung öffnete Forschenden erstmals im großen Stil Tür und Tor zu Behörden-Alltag und ermöglichte eine dreijährige Analyse von Rassismus in Einrichtungen wie Jobcentern oder Ausländerbehörden. Laut Abschlussbericht gibt es in jeder der analysierten Institutionstypen messbare Diskriminierung – sei es durch persönliche Einstellungen, strukturelle Abläufe oder beim Umgang mit Beschwerden. Rassistische Tendenzen zeigen sich vor allem in versteckten Mechanismen – Gewohnheiten, unklaren Entscheidungsbereichen, sogar in der Organisationskultur.
Problematisch ist aus Sicht der Forschenden vor allem eine Lücke im deutschen Antidiskriminierungsrecht, da das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz keine Anwendung auf das Bürger-Behörden-Verhältnis findet. Wer also behördlicher Diskriminierung ausgeliefert ist, dem stehen bislang so gut wie keine rechtlichen Mittel zur Verfügung.
Dobrindt zeigt sich bewusst widerständig gegen den Vorwurf, die Behörden hätten zu wenig zur Veröffentlichung der Studie über institutionellen Rassismus beigetragen. Laut ihm sind die Ergebnisse transparent gemacht und die betreffenden Behörden informiert worden. Die Studie selbst legt offen, dass Rassismus nicht selten subtil und im Alltäglichen verborgen bleibt – etwa in Routinen und unklaren Entscheidungsbereichen – und dass Betroffene wegen rechtlicher Lücken kaum geschützt sind.
Neuere Artikel berichten, dass die Debatte um strukturellen Rassismus in Behörden aktuell für anhaltende Reibung in der Politik sorgt. Die Gewerkschaft der Polizei fordert nun gezielte Aufklärung, und mehrere Abgeordnete von Grünen und SPD drängen auf rechtliche Klarstellungen sowie Weiterbildungen für Behördenpersonal. Die Bundesregierung prüft nach öffentlichen Debatten, wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ausgebaut werden könnte, um den Schutz für Bürgerinnen und Bürger zu stärken.