Also, so ehrlich muss man sein: Die Bundesregierung hat bei der EU-Entgelttransparenzrichtlinie schlichtweg auf Zeit gespielt. Statt die Vorgaben bis zum offiziellen Stichtag im Juni in deutsches Recht zu gießen, verschiebt man zentrale Maßnahmen für Unternehmen – im Klartext: Vor 2028 passiert in vielen Betrieben wohl erstmal nichts. Wer die Meldung im Magazin Politico gelesen hat, wird die zähen Abstimmungsprozesse zwischen Ministerien kaum überraschen. Offiziell heißt es, man wolle eine 'aufs Notwendige beschränkte, möglichst bürokratiearme und wirksame' Umsetzung – klingt angenehm nüchtern, aber ehrlich gesagt: Für Leute, die längst auf mehr Lohntransparenz hoffen, ist diese Formulierung vermutlich ein Schlag ins Gesicht.
Die Berichtspflicht und das individuelle Auskunftsrecht werden also erst ab Juni 2028 zur Pflicht. Die Regelungen sollen Anfang 2027 in Kraft treten – ein schwacher Trost für alle, die auf schnelle Verbesserungen setzen. Begründet wurde die zögerliche Linie mit dem 'Bereitstellen von Rechts- und Planungssicherheit für Unternehmen' und – man glaubt es kaum – 'Sorgen aus der Wirtschaft'. Altbekannte Melodie. Die ehemalige Familienministerin Lisa Paus von den Grünen sieht das naturgemäß kritischer: Für sie ist die Entgelttransparenz längst überfällig, vor allem, weil Deutschland beim Thema Equal Pay ziemlich schlapp dasteht. 16 Prozent Lohnunterschied – das ist nicht nur eine Zahl, sondern beschreibt gelebte Ungerechtigkeit. Frauen bekommen im Durchschnitt 4,24 Euro pro Stunde weniger als Männer, und niemand will das so recht zugeben. Trotzdem bleibt es Alltag.
Letztlich entsteht das bizarre Bild, dass zwischen Wirtschaftslobby und politischem Willen auf der einen Seite, und tatsächlicher Gleichbehandlung auf der anderen ein Graben klafft. Ob sich daran mit der neuen Zeitschiene wirklich etwas ändert? Skepsis bleibt angebracht.
Die deutsche Bundesregierung verzögert die nationale Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie deutlich – zentrale Maßnahmen wie Auskunftsrecht und Berichtspflicht werden erst Jahre später, nämlich ab Mitte 2028, greifen. Während sich Regierungssprecher auf Bürokratieabbau und Planungssicherheit berufen, wächst die Kritik von Seiten der Opposition und Gleichstellungsexpert:innen: Deutschland schleppt weiterhin einen gravierenden Gender Pay Gap mit sich herum, zuletzt publik gemacht mit einem Unterschied von 16 Prozent und 4,24 Euro weniger Lohn pro Stunde für Frauen. Aktuelle Berichterstattung u.a. auf taz.de zeigt: Auch in anderen europäischen Ländern wird heftig debattiert, wie eine transparente und gerechte Gehaltsstruktur praktisch umgesetzt werden kann, allerdings sind einige EU-Staaten bei der Gleichstellung bereits weiter – und der wirtschaftliche Druck auf Unternehmen, dem Problem endlich offensiv zu begegnen, wächst nach und nach.