Warnung der Gewerkschaften: Längere Arbeitstage könnten krank machen

Längere Arbeitszeiten stehen erneut in der Kritik: Gewerkschaften befürchten massive Gesundheitsrisiken für Arbeitnehmer, falls der Acht-Stunden-Tag aufgeweicht wird.

29.05.26 01:02 Uhr | 43 mal gelesen

Mal ehrlich, wer erinnert sich nicht an Tage, die einfach kein Ende nehmen wollen? Die Stimme von Anja Piel aus dem DGB-Vorstand klingt da fast schon wie ein Echo früherer Jahre, als sie gegenüber den Funke-Zeitungen betont: Überlange Schichten machen nachweislich krank — und das trifft am Ende nicht nur die Einzelnen, sondern ganze Betriebe und das ohnehin schon angeschlagene Gesundheitssystem. Was, so fragt sie fast beiläufig, bringt eine Lockerung der Regeln am Ende wirklich? Es sind die Beschäftigten, die am stärksten die Folgen zu spüren bekommen. Jedenfalls plant Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), noch im Juni ein überarbeitetes Arbeitszeitgesetz vorzulegen. Das derzeitige Limit liegt bei acht Stunden täglich, maximal zehn mit Ausnahmefällen. Doch künftig könnten bis zu 13 Stunden am Tag erlaubt sein — solange die Wochenarbeitszeit bei 40 Stunden bleibt. Schon diese Idee stößt sauer auf: "Wir stehen zum bestehenden Gesetz — es schützt Menschen und bewahrt sie davor, zu reinen Produktionsfaktoren zu werden," hält Piel dagegen. Guido Zeitler, Chef der NGG-Gewerkschaft, sieht gar einen Rückschritt in "längst überwundene Zeiten". Wer sich mit arbeitsmedizinischen Untersuchungen beschäftigt, weiß, wie schnell zu viel Arbeit krank machen kann. Das Arbeitszeitgesetz war und ist, auch mit seinen Macken, ein Bollwerk gegen Überforderung und Willkür von Vorgesetzten. Heute hat man fast den Eindruck: Die Belastungsgrenzen der Beschäftigten werden schwammig — unter dem schmeichelhaften Schlagwort 'Flexibilität' wollen Arbeitgeber ihre Leute so einsetzen, wie es ihnen gerade passt.

Die Debatte um die Lockerung der gesetzlichen Arbeitszeitregelung in Deutschland ist erneut entfacht. Gewerkschaften wie DGB und NGG führen arbeitsmedizinische Studien ins Feld, die deutliche Zusammenhänge zwischen ausgedehnten Arbeitstagen und gesundheitlichen Problemen wie Erschöpfung, Burn-out oder Herzerkrankungen aufzeigen. Arbeitgeberverbände argumentieren dagegen, dass flexiblere Zeitmodelle die Wettbewerbsfähigkeit in einer digitalisierten Ökonomie stärken würden, doch Studien belegen, dass längere Schichten häufig weder mit höherer Produktivität noch mit mehr Zufriedenheit einhergehen. Laut aktuellen Berichten gehen immer mehr Beschäftigte (insbesondere in Pflege, Gastronomie und Logistik) bereits jetzt regelmäßig über die gesetzlichen Grenzen hinaus. Die Debatte gewinnt vor dem Hintergrund des sich zuspitzenden Fachkräftemangels zusätzlichen Brisanz: Viele Verbände befürchten, längere Arbeitstage könnten mehr Menschen in Teilzeit oder ganz aus dem Beruf drängen. Dabei werden auch Modelle aus anderen EU-Ländern diskutiert, etwa die 4-Tage-Woche als kontrastierendes Gegenbeispiel, das vielerorts positive Effekte zeigt.

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