IW überlegt längere Arbeitszeiten speziell für Büroangestellte

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), das als wirtschaftsnah gilt, schlägt vor, Arbeitszeitregelungen zunächst auf Bürojobs anzupassen.

29.05.26 01:02 Uhr | 17 mal gelesen

Oliver Stettes, Arbeitsmarktexperte beim IW, brachte gegenüber den Funke-Zeitungen ins Spiel, dass eine erste Erweiterung der gesetzlichen Arbeitszeiten wohl am ehesten für jene Branchen möglich sei, in denen Arbeitsschutz kaum ein Thema ist – eben für Büroangestellte. "Wenn die Sorge um die Gesundheit überwiegt, könnte man mit Berufen anfangen, wo das Risiko gering ist", meint Stettes. Ansonsten plädiert er grundlegend dafür, die Vorschriften zur Höchstarbeitszeit zu lockern und flexibler zu gestalten. Davon könnten Unternehmen sowie Arbeitnehmer gleichermaßen profitieren – das meint zumindest Stettes, der hauptberuflich den Spagat zwischen Tariftreue und Wirtschaftlichkeit beobachtet. Derzeit gilt in Deutschland ein Maximum von acht Stunden je Tag, gelegentlich bis zu zehn. Schon bald steht eine Reform an: Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) will binnen Wochen eigene Umbaupläne fürs Arbeitszeitgesetz präsentieren. Denkbar wären dann bis zu 13 Stunden pro Tag – bei gleichbleibenden maximal 40 Stunden pro Woche.

Das IW spricht sich, angesichts teils verhärteter Fronten in der Arbeitszeitdebatte, für eine pragmatische Staffelung aus: Zunächst könnten die bisherigen Begrenzungen für Bürokräfte gelockert werden, da dort die gesundheitlichen Risiken minimal erscheinen. Das würde Unternehmen Flexibilität ermöglichen, ohne den Gesundheitsschutz der Beschäftigten in klassischen Risikoberufen vorschnell zu gefährden. Aktuell gelten in Deutschland acht Stunden als Regel, selten zehn, doch Ministerin Bas plant eine Reform, die längere Einzeltage erlauben, die Wochenarbeitslast aber nicht anheben würde. Neuere Meinungen und Meldungen spiegeln das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Druck und Arbeitnehmerinteressen wider. Inzwischen gibt es Kritik aus Gewerkschaften und breiteren Teilen der Politik, dass eine solche Flexibilisierung vor allem in Krisenzeiten zu Lasten der Beschäftigten gehen könnte. Mehrere Medien berichten zudem, dass in anderen europäischen Ländern ähnliche Debatten laufen, jedoch mit teils gegensätzlichen Ergebnissen und gesellschaftlichen Reaktionen.

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