Drei zentrale Stellschrauben: Wie Deutschlands Frauen häufiger ins Berufsleben kommen könnten

Eine Analyse von Vanessa Bammert und Claus Michelsen für den Verband Forschender Arzneimittelhersteller zeigt, wo angesetzt werden muss, damit mehr Frauen berufstätig werden – und was derzeit noch bremst.

heute 16:09 Uhr | 2 mal gelesen

Laut einem Bericht des "Spiegel" haben die Wirtschaftswissenschaftler Bammert und Michelsen sich die Beschäftigungslage von Frauen in Deutschland genauer angeschaut – mit durchaus spannenden Erkenntnissen. Erstens: Dort, wo Teilzeitjobs zum Alltag gehören, mischen Frauen deutlich stärker mit. Der Hauptgrund ist fast schon ein Klassiker – die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit, also vor allem die Betreuung von Kindern, ruht weiterhin überwiegend auf den Schultern der Frauen. Punkt zwei: Sind mehr Frauen in Führungsrollen, sind auch die Chancen auf einen Arbeitsplatz für andere Frauen in dem Unternehmen größer. Gilt allerdings vor allem in der Industrie, wobei der Blick auf andere Branchen vielleicht noch ein verblüffenderes Ergebnis liefern könnte. Apropos verblüffend: Dritter Faktor ist das Gehalt, genauer gesagt: Dort, wo viel bezahlt und mit Bonus gelockt wird, steigen die Frauenanteile an. Die Forscher behaupten sogar, mit diesen drei Hebeln ließe sich der Unterschied beim Frauenanteil zwischen Industriebranchen zu mehr als 90 Prozent erklären, was eine ziemlich beeindruckende Zahl ist. Die Diskussion dazu kommt zu einer Zeit, in der politische Maßnahmen wie das Ehegattensplitting oder die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern arg ins Wanken geraten. Michelsen selbst findet das offenbar sinnvoll, hält etwa das Ehegattensplitting für veraltet und dem Arbeitsmarkt nicht zuträglich – gerade für Frauen. Zudem spricht er sich für den Ausbau der Kinderbetreuung und flexiblere Arbeitszeiten bei den Arbeitgebern aus. Klingt irgendwie wie eine Mischung aus "Alter Hut" und "wird trotzdem mal wieder Zeit".

Die Studie verdeutlicht, dass es drei wesentliche Faktoren für die höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen in Deutschland gibt: flexible (Teilzeit-)Arbeitsmodelle erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Frauen in Führungspositionen motivieren andere Frauen und senken deren Kündigungsneigung, sowie überdurchschnittliche Gehälter samt Sonderzahlungen erhöhen die Attraktivität für weibliche Beschäftigte. Diese Ergebnisse fallen in eine politische Debatte über die Abschaffung des Ehegattensplittings und der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern, um gezielt Fehlanreize zu reduzieren, die Frauen bislang oft von der Arbeit abhalten. Zusätzlich betonen die Studienautoren, dass eine bessere Kinderbetreuungsinfrastruktur und flexible Arbeitsbedingungen entscheidend wären, um den Frauenanteil in der Arbeitswelt langfristig zu steigern. Aktuelle Ergänzungen: Laut einer Meldung auf faz.net diskutiert die Bundesregierung derzeit weitreichende Reformen des Steuerrechts, wodurch vor allem das Ehegattensplitting für Neuverheiratete künftig wegfallen könnte. Die Debatte wird kontrovers geführt, da Befürworter den Abbau von Fehlanreizen für Frauen begrüßen, Kritiker aber vor möglichen finaziellen Nachteilen für bestimmte Familienmodelle warnen. (Quelle: FAZ) Eine Analyse der Süddeutschen Zeitung zeigt, dass der Ausbau von Ganztagsbetreuungsplätzen in Kitas und Schulen bundesweit sehr ungleich voranschreitet – insbesondere in ländlichen Regionen fehlen oft Angebote, was vor allem Müttern den beruflichen Wiedereinstieg erschwert. Sozialverbände fordern einen klaren Plan und mehr Investitionen, um die Kinderbetreuung flächendeckend zu garantieren. (Quelle: Süddeutsche) Der Spiegel berichtet aktuell, dass schon jetzt viele Arbeitgeber flexible Arbeitsmodelle anbieten, um mehr Frauen gewinnen zu können, jedoch stoßen diese Angebote in der Praxis oft an strukturelle und kulturelle Grenzen: Führung in Teilzeit werde noch immer kritisch beäugt, und Karrierechancen seien für Mütter tendenziell schwierig zu realisieren. (Quelle: Spiegel)

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