Neue Werte fürs kulturelle Gedächtnis: Vom Bolzplatz bis zur Schaustellerbude

Fünf neue lebendige Traditionen bereichern ab sofort das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes – ein Zeichen dafür, wie breit die kulturelle Vielfalt in Deutschland verwurzelt ist.

heute 17:58 Uhr | 2 mal gelesen

Ganz ehrlich – wer denkt schon beim Gang übers nächste Volksfest oder beim Vorbeifahren an einem alten Bolzplatz daran, dass hier kulturelles Erbe lebendig ist? Und doch, genau das tun wir: Die Kulturministerkonferenz und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien haben am Freitag weitere fünf Praktiken ins Bundesweite Verzeichnis aufgenommen: Neben dem wuseligen Leben auf dem Bolzplatz und der Kunst der Herrenschneider, fanden auch die Martinstradition im Rheinland, die Schaustellerkultur auf deutschen Volksfesten sowie die kleine Küstenfischerei an Ostsee und Bodden ihren Platz unter insgesamt nun 173 Ausdrucksformen. Katharina Binz, die aktuelle Präsidentin der Kulturministerkonferenz, drückte das mit fast nachbarschaftlichem Stolz aus. All diese Traditionen verbinden Generationen, sie schaffen Identität und sind, so sagt sie, 'aus dem Alltag nicht wegzudenken'.
Auch Kulturstaatsminister Weimer betonte, dass Identität und Kreativität durch lebendige Überlieferung entstehen. Spannend fand ich seinen Hinweis, dass gerade das scheinbar Althergebrachte – vom Martinsumzug bis zum Schneiderhandwerk – überraschend frisch bleibt, indem es sich immer wieder wandelt. Wer hätte gedacht, dass ein Herrenschneider moderne Modetrends mit uralter Handwerkskunst versöhnt? Genau hier, im Mit- und Gegeneinander von Tradition und Zeitgeist, funkelt das Erbe am hellsten.
Auch Christoph Wulf von der Deutschen Unesco-Kommission brachte es auf den Punkt: Immaterielles Kulturerbe ist keine staubige Angelegenheit, sondern entsteht überall da, wo Menschen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten weitergeben. Mir gefällt der Gedanke, dass es um Gegenwart geht, nicht bloß um Historie. Ein schönes Signal: Gemeinschaft ist nichts Abgeschlossenes, sondern ständig im Wandel – und vielleicht ist gerade dieses Immer-in-Bewegung-Sein das eigentliche Geheimnis nachhaltigen Kulturerbes.
Für den Hintergrund: Schon seit 2003 gibt es das UNESCO-Übereinkommen zum Schutz immateriellen Kulturerbes, Deutschland ist seit 2013 dabei. Das Aufnahmeverfahren zum Bundesweiten Verzeichnis läuft über mehrere Instanzen und sorgt dafür, dass nur lebendige, von Menschen getragene und weitergegebene Traditionen hineinkommen. Klingt fast ein bisschen wie eine Einladung, selbst Teil des Ganzen zu werden.

Das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland ist um fünf Traditionen reicher: Bolzplatzkultur, Herrenschneiderhandwerk, Martinstradition im Rheinland, die Schaustellerkultur auf Volksfesten sowie die Kleine Küstenfischerei wurden aufgenommen. Die Entscheidung verdeutlicht den Anspruch, nicht nur historische, sondern vor allem im Alltag gelebte und geteilte Kulturformen zu bewahren – und unterstreicht die Relevanz diverser regionaler Besonderheiten im modernen Deutschland. Eine aktuelle Recherche zeigt, dass in Medien wie der Süddeutschen und der ZEIT insbesondere die Martinstradition und die Diskussion um Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Teilhabe stark hervorgehoben wurden – zum Beispiel, wie Volksfeste als Begegnungsorte dienen oder wie Handwerkstraditionen moderne Lebensentwürfe beeinflussen.

Ergänzend wurde berichtet, dass der Zollverein in Essen – selbst UNESCO-Welterbe – sich in Workshops und Bildungsangeboten verstärkt um die Weitergabe immateriellen Kulturerbes bemüht (Quelle: Süddeutsche). Außerdem wird die Rolle von Vereinsleben und zivilgesellschaftlichen Initiativen stärker betont, da sie oft das Rückgrat solcher Kulturformen bilden (Quelle: Zeit). In Hintergrundbeiträgen wird darauf hingewiesen, dass die kulturelle Vielfalt innerhalb Europas zunehmend politisch diskutiert wird, weil sie Identitätsfragen in Zeiten des Wandels aufwirft (Quelle: FAZ).

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