Frischer Wind: WDR gestaltet junge Radioprogramme neu

Köln – Der WDR will das Hörerlebnis seiner jungen Radiowellen verändern und gezielt ein jüngeres, vielfältiges Publikum ansprechen. Besonders Menschen mit internationalem Hintergrund stehen dabei im Fokus, mit dem Ziel, die interkulturelle Vielfalt Nordrhein-Westfalens noch stärker ins Programm zu holen. Die Neuaufstellung kommt nicht nur den klassischen Hörer:innen entgegen, sondern soll vor allem auch bisher „unerreichte“ junge Menschen digital besser abholen.

heute 17:09 Uhr | 2 mal gelesen

Neuer Anstrich für junge Wellen

1LIVE, 1LIVE DIGGI und COSMO, die drei bisherigen Programme des WDR für junge Leute, sollen künftig unter einer gemeinsamen 1LIVE-Marke geführt werden. Das bedeutet zum Beispiel, dass COSMO spezieller auf kulturell vielschichtige, urbane Hörer:innen eingehen wird – die globale Jugendszene, besonders HipHop, bekommt hier ihren Raum. Und dann wäre da noch der dritte Ableger, angelehnt an DIGGI, der im digitalen Überangebot einen Rückzugsort für Ruhe und unaufgeregte Inhalte bieten will. Mehr als ein vages Versprechen: Die Neugestaltung startet ab 2027 – vorausgesetzt, die WDR-Gremien nicken das Vorhaben ab.

Vielfalt jetzt Programm

Andrea Schafarczyk, WDR-Programmdirektorin, beschreibt den Schritt als „mutig und konsequent“. Junge Menschen machen, wie Schafarczyk anmerkt, Medien nicht mehr an festen Kanälen fest; sie switchen, je nach Stimmung und Situation. Diese Flexibilität verlangt Programme, die Vielfalt ernst nehmen und im Ton neue Wege gehen. Schiwa Schlei, die sowohl 1LIVE als auch COSMO verantwortet, hebt den hohen Anteil junger Menschen mit Einwanderungsgeschichte in NRW hervor. Sie sagt: Kulturelle Verschiedenheit ist die Realität, nicht die Ausnahme – und das muss sich, ihrer Ansicht nach, durchziehen, ob im Inhalt oder der Sprache. Dieses Neudenken ist nicht nur Trend – es wird durch einen Reformstaatsvertrag ab 2025 sogar eingefordert.

Wer mehr wissen oder mitdiskutieren will: Unter WDR-Presselounge gibt es Material und Kontakt.

Der WDR plant ab 2027 eine grundlegende Reform seiner jungen Radioprogramme mit dem Ziel, ein deutlich diverseres und zeitgemäßeres Hörerlebnis zu schaffen. Zentral ist dabei nicht nur die programmatische Bündelung unter der Marke 1LIVE, sondern vor allem die bewusste Öffnung für die Lebenswelt junger Hörer:innen mit und ohne Migrationsgeschichte. Hintergründig motiviert die anstehende Medienreform zusätzliche Initiativen, Programm-Vielfalt als Spiegel gesellschaftlicher Realität zu etablieren. Laut aktuellen Branchenberichten steht der WDR mit dieser Transformation durchaus im Scheinwerferlicht des gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Der Druck, nicht nur neue Zielgruppen, sondern auch digitale Ausspielwege zu erschließen, wächst, auch angesichts von Plattform-Konkurrenz und Kritik an tradierten Formaten. Manche Stimmen im Medienjournalismus warnen aber auch vor zu starker Segmentierung, die womöglich den Anspruch der „gemeinsamen Öffentlichkeit“ gefährden könnte. Markant offenbart sich jedenfalls: Ohne diverse, inklusive und digital smarte Angebote droht der Sender, mittelfristig Anschluss und Attraktivität bei unter 30-Jährigen weiter zu verlieren.

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