Es ist schon verrückt – Kinder und Jugendliche konsumieren heute Medien wie Sauerstoff: Immer dran, immer online, immer erreichbar. Und wo sie sich tummeln, also in sozialen Medien, steht die Tür für Fakenews und Trickserei sperrangelweit offen. Irgendjemand muss da mal aufräumen, dachte man sich offenbar bei FAZIT-STIFTUNG und #UseTheNews. Gemeinsam mit der Medienanstalt Hessen rollen sie jetzt ein Pilotprojekt aus, das besonders den Eltern unter die Arme greifen will. Begriffen wurde: Wer Kinder sinnvoll begleiten will, braucht selbst Durchblick – und einen Plan für den wilden Ritt namens Internet.
Das Herz des Projekts sind zwölf digitale Elternabende, aufgeteilt in vier Schwerpunkte: Wie und was lesen Kinder überhaupt? Wieso funktionieren soziale Netzwerke eigentlich so, wie sie funktionieren? Was tun, wenn die Welt – Stichwort Krieg, Krise – aus dem Ruder läuft und wie erkennt man noch echten Journalismus? Die Antwort auf diese Fragen scheint manchmal weiter entfernt als die nächste TikTok-Challenge, aber genau deswegen sind solche niederschwelligen Angebote ein Segen. Richtet sich an Eltern mit Kids im Grundschul- bis Teenageralter, los geht’s schon in diesem Sommer.
Beim Startschuss – passenderweise im F.A.Z.-Tower – diskutierten Minister, Journalist:innen, Pädagog:innen und ein sehr junger Gründer, warum Social-Media-Altersgrenzen sinnvoll sein könnten. Unter der Überschrift: Wie weit darf (oder muss) Schutz gehen? Und dann die Grundsatzfrage: Wie kann man Kindern zutrauen, kritisch zu sortieren, was in der Timeline landet, ohne ihnen dabei gleich das Handy aus der Hand zu nehmen? Armin Schwarz, Hessens Bildungsminister, plädierte jedenfalls dafür, nicht nur auf Verbote zu setzen, sondern Medienkompetenz als tragende Säule in jedem Alltag zu verankern. Praktische Tipps gab’s on top – und die Chance zum Austausch blieb nicht blanke Theorie. Anmelden kann sich übrigens jeder, der neugierig geworden ist.
Wer eintauchen will: Die Hintergründe, Termine & Webinare finden sich unter www.usethenews.de/de/elternmedienbildung-behindthefeed.
Das Elternmedienbildungsprojekt in Hessen verfolgt das Ziel, Nachrichten- und Medienkompetenz als Familienaufgabe neu zu denken. Die Initiatoren setzen bewusst auf digitale Formate, um auch weniger technikaffinen Eltern einen niedrigschwelligen Zugang zu ermöglichen. Während sich der gesellschaftliche Diskurs zunehmend auf Social Media verlagert und manipulierte Informationen an Einfluss gewinnen, dringen auch Bildungsexperten und Medienanstalten darauf, Kompetenzen zum kritischen Umgang mit Nachrichten stärker zu verankern. Neue Zahlen zeigen: Viele Eltern fühlen sich überfordert, wenn es um Online-Medienkonsum ihrer Kinder geht – insbesondere, wie man Fakten von Fakes unterscheidet. Hinzu kommt, dass bereits Grundschulkinder mit Chatbots oder KI-generierten Bildern konfrontiert werden, was Unsicherheit verstärkt. Aktuelle Medienkompetenz-Studien und Initiativen werden daher zunehmend in die politische Bildung und ins Ehrenamt hineingetragen – Hessen ist hier, im Bundesvergleich, kein Einzelfall. International betrachtet, experimentieren auch andere europäische Länder mit ähnlichen Elternprogrammen, oft getragen von Stiftungen, Zeitungsverlagen oder Landesregierungen. Fachleute loben dabei die Verbindung von persönlichem Austausch und alltagsrelevanten Praxistipps. Perspektivisch hoffen die Initiatoren, dass so ein Domino-Effekt entsteht: Medienkompetenz, die zuhause anfängt, schwappt irgendwann auch ins Schulumfeld und die Peer-Group.