Am Donnerstag hat die EZB in Frankfurt signalisiert: Die Zeit des Stillhaltens ist vorbei. Konkret wurden die Zinssätze für Einlagefazilität, Hauptrefinanzierung und Spitzenrefinanzierungsfazilität jeweils um 25 Basispunkte erhöht, sodass sie nun bei 2,25%, 2,40% und 2,65% liegen. Die Botschaft des EZB-Rats klingt entschlossen – man wolle die Inflation mittelfristig stabil auf das Ziel von 2 Prozent einpendeln lassen. Hintergrund sind vor allem die Inflationsturbulenzen, angeheizt durch den anhaltenden Krieg im Nahen Osten und dessen Einfluss auf die Energiepreise. Interessant: Die Notenbank betont, dass ihre Entscheidung 'szenarienfest' sei, also verschiedenen Entwicklungen standhalten könne – klingt nach einem Drahtseilakt inmitten von Prognosen, die aktuell wohl eher als Kaffeesatzlesen durchgehen.
Die Unsicherheit in puncto Inflation und Wachstum bleibt spürbar, sogar greifbar. Nach Ansicht der Notenbanker hängen die kommenden Monate und Jahre maßgeblich davon ab, wie stark und wie lang die Energiepreise durch exogene Schocks beeinflusst werden – und wie das wiederum auf Wirtschaft und Verbraucher durchschlägt. Die aktuellen Projektionen sehen für 2026 eine Inflation von 3,0%, 2027 dann 2,3% und ab 2028 wieder Zielnähe mit 2,0%. Allerdings – und das ist bezeichnend – wurden die Erwartungen nach oben revidiert, wobei insbesondere der Energiepreissprung als Grund genannt wird.
Beim Wirtschaftswachstum ist die Perspektive weniger euphorisch: Für 2026 rechnet man nur noch mit 0,8%, 2027 mit 1,2% und immerhin ein leichter Anstieg für 2028 mit 1,5%. Übrigens: Die Zentralbank bleibt flexibel, will auf Sicht fahren und sich nicht auf einen festen Zinspfad einlassen. Alles wird angeblich von den jeweils neuesten Wirtschaftsdaten, der Inflationsentwicklung und den daraus abgeleiteten Risiken abhängig gemacht – von Sitzung zu Sitzung, ohne Vorfestlegung. Man könnte meinen, das klingt fast nach zu viel Offenheit, aber in der momentanen Gemengelage mag das vielleicht sogar beruhigend sein.
Die EZB hat erstmals seit Monaten den Leitzins erhöht, ausgelöst durch andauernde geopolitische Spannungen und ein anhaltend hohes Inflationsrisiko. Laut Beschluss wurden die Zinssätze um 25 Basispunkte angehoben, und sowohl die Inflationserwartungen als auch das Wachstum wurden gemischt revidiert – mit Aufwärtsdruck bei den Preisen, aber verhaltenen Aussichten beim Wachstum. Interessanterweise steckt die EZB damit in dem bekannten Dilemma zwischen Inflationsbekämpfung und wirtschaftlicher Stabilität, wobei sie – einem Jongleur gleich – ihre weiteren Schritte explizit offenlässt.
Neue Entwicklungen: Laut der "Süddeutschen Zeitung" und anderen Medien beobachten Marktbeobachter, dass speziell die deutsche Industrie weiter unter den hohen Finanzierungskosten leidet und die Stimmung am Finanzmarkt nach der EZB-Entscheidung zunächst verhalten blieb. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unterstreicht, dass die Zinsentscheidung als Signal für die Bereitschaft der Notenbank gewertet wird, gegen einen mögliche zweite Inflationswelle gewappnet zu sein, selbst auf Kosten von schwächerem Wachstum. Außerdem wird von "taz.de" berichtet, dass zahlreiche Ökonom:innen eine längere Phase der geldpolitischen Unsicherheit erwarten, da sich die Wirkung der Zinsänderungen erst mit Verzögerung zeigt und geopolitische Risiken weiterhin nachhallen.