Festival 'LORTZING 26': Leipzig feiert ihren ungewöhnlichsten Komponisten mit Premieren, Klangspaziergang & Chören

Leipzig – Mit viel Schwung und einer ordentlichen Prise historischer Neugier nimmt sich die Oper Leipzig 2026 des großen Albert Lortzing an – Komponist, Bühnenmensch, ewiger Unruhestifter! Vom 24. April bis zum 3. Mai wird unter dem Titel 'Lortzing 26' das musikalische Erbe des streitbaren Leipzigers in den Mittelpunkt gerückt – mit frischen Opernpremieren, musikalischen Stadtführungen und einer Extraportion Lortzing-Atmosphäre an Orten, die sonst gern übersehen werden.

08.01.26 17:00 Uhr | 4 mal gelesen

Zehn Tage Ausnahmezustand am Opernhaus: Während 'Lortzing 26' inszeniert die Musikstadt nicht nur wieder und wieder die Klassiker – von 'Zar und Zimmermann' bis 'Undine' – sondern überrascht auch mit zwei Premieren. 'Der Waffenschmied' und das selten gespielte Revolutionsstück 'Regina' kommen auf die Bühne, heftig mit Spannung erwartet! Besonders findig: Chöre singen auf der Open Stage vor dem Opernhaus und mit einem eigens kreierten Audiowalk können Besucher durch Leipzigs versteckte Lortzing-Geschichte spazieren – vorbei an Orten, die mal etwas mit Theater zu tun hatten, mal einfach verschwunden sind. Ein Symposium mit der Universität Leipzig beleuchtet Lortzings Streitergeist und die Liebe zur Volksnähe. Das Festival-Paket verspricht Leipzig pur: Übernachtungen, feines Essen und Musik satt, vom 30. April bis 3. Mai – das klingt fast zu schön für eine Stadt, die so oft unterschätzt wird. Witzig, dass der Slogan diesmal fragt: 'Wer ist Albert?'. Muss man das in Leipzig wirklich fragen? Die Oper wagt es und inszeniert die Lortzing-Spuren überall – von Biedermeierfrühstück bis Hinter-den-Kulissen-Tour. Seine Biografie: kleines Wunder. 1801 in Berlin geboren, als junger Hüpfer schon Liebling, später als freier Geist in Leipzig Mitglied im 'Tunnel über der Pleiße', komponierte Lortzing dort acht Opern – wurde gefeiert, gefeuert, reiste nach Wien und Berlin, starb jung. Nachkriegsdeutschland – Lortzing war Dauerbrenner, heute wird wieder gefragt: Warum eigentlich? Vielleicht, weil Oper und Gesellschaft gerade einen bisweilen frei denkenden, widersprüchlichen und originellen Geist suchten und fanden. Schneller als man 'Libretto' sagen kann, stellt Leipzig sich wieder neu auf die Lortzing-Spuren.

Das Festival „LORTZING 26“ will mehr als nostalgische Ehrerbietung sein. Es setzt auf einen lebendigen Dialog mit der Geschichte und sucht Albert Lortzings ganz eigenen Humor und seine Lust an gesellschaftlicher Reibung neu zu entfachen. Neben klassischen Opern und Premieren bietet das Programm Stadtspaziergänge, Mitmachformate und Diskursräume, um Lortzings Bedeutung für Leipzig und für heutige Musikliebhaber zu diskutieren. Der Bezug zu Leipzig als Musikstadt wird im Festival als verbindende Klammer deutlich ausgestellt – wobei Veranstaltungen von Mitsing-Formaten bis zu universitären Diskussionen und Familienaktionen reichen. Lortzings Werke taugen eben nicht nur als Museumsstücke, sondern als faszinierende Momentaufnahmen ihrer Zeit, die überraschend aktuell gelesen werden können. Und vielleicht ist das die eigentliche Kunst: einen Komponisten aus den hintersten Archiven herauszuziehen und ihn für eine neue Generation von Ohren, Herzen und Denkern neu zu erzählen. Neuere Recherchen zeigen außerdem: Das Interesse an Klassikfestivals in der Bevölkerung wächst beständig, nicht zuletzt getrieben durch innovative Ansätze wie Audiowalks, szenische Stadtführungen und partizipative Formate. In anderer Hinsicht knüpft das Lortzing-Festival an die Entwicklung an, dass Musikstädte wie Leipzig verstärkt auf ganzheitliche Erlebnisse und den Austausch mit internationalen Künstlern setzen – was wiederum die Besucherzahlen nachhaltig positiv beeinflusst. Lortzings Relevanz bleibt dabei hochaktuell: Obwohl viele seiner Werke lange als 'heiteres Unterhaltungstheater' abgetan wurden, werden sie heute zunehmend im gesellschaftspolitischen Kontext diskutiert – etwa in Bezug auf revolutionären Geist, Emanzipation und bürgerliche Mitgestaltung. Die Wiederentdeckung des Komponisten läuft also nicht nur über nostalgische Wertschätzung, sondern auch über die Suche nach künstlerischer Reibungsfläche in einer Zeit, die neue Antworten sucht.

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