Das Festival „LORTZING 26“ will mehr als nostalgische Ehrerbietung sein. Es setzt auf einen lebendigen Dialog mit der Geschichte und sucht Albert Lortzings ganz eigenen Humor und seine Lust an gesellschaftlicher Reibung neu zu entfachen. Neben klassischen Opern und Premieren bietet das Programm Stadtspaziergänge, Mitmachformate und Diskursräume, um Lortzings Bedeutung für Leipzig und für heutige Musikliebhaber zu diskutieren. Der Bezug zu Leipzig als Musikstadt wird im Festival als verbindende Klammer deutlich ausgestellt – wobei Veranstaltungen von Mitsing-Formaten bis zu universitären Diskussionen und Familienaktionen reichen. Lortzings Werke taugen eben nicht nur als Museumsstücke, sondern als faszinierende Momentaufnahmen ihrer Zeit, die überraschend aktuell gelesen werden können. Und vielleicht ist das die eigentliche Kunst: einen Komponisten aus den hintersten Archiven herauszuziehen und ihn für eine neue Generation von Ohren, Herzen und Denkern neu zu erzählen. Neuere Recherchen zeigen außerdem: Das Interesse an Klassikfestivals in der Bevölkerung wächst beständig, nicht zuletzt getrieben durch innovative Ansätze wie Audiowalks, szenische Stadtführungen und partizipative Formate. In anderer Hinsicht knüpft das Lortzing-Festival an die Entwicklung an, dass Musikstädte wie Leipzig verstärkt auf ganzheitliche Erlebnisse und den Austausch mit internationalen Künstlern setzen – was wiederum die Besucherzahlen nachhaltig positiv beeinflusst. Lortzings Relevanz bleibt dabei hochaktuell: Obwohl viele seiner Werke lange als 'heiteres Unterhaltungstheater' abgetan wurden, werden sie heute zunehmend im gesellschaftspolitischen Kontext diskutiert – etwa in Bezug auf revolutionären Geist, Emanzipation und bürgerliche Mitgestaltung. Die Wiederentdeckung des Komponisten läuft also nicht nur über nostalgische Wertschätzung, sondern auch über die Suche nach künstlerischer Reibungsfläche in einer Zeit, die neue Antworten sucht.