Zwischen Trend und Wirklichkeit: Chinas Gen Z auf dem Land

Hamburg – Während der größte Volkskongress der Welt in China tagt, richtet sich der Blick besonders auf die junge Generation: Welche Rolle spielen sie – und ihre Träume vom Landleben – für die Zukunft der Gesellschaft? Die politischen Pläne zielen auch auf Dörfer und Jugendliche, deren Lebensrealitäten nicht immer so instagramtauglich sind wie gepriesen.

heute 11:32 Uhr | 2 mal gelesen

Mit allerlei Kampagnen müht sich die Kommunistische Partei Chinas gegen das anhaltende Stadt-Land-Gefälle; besonders hart trifft Jugendarbeitslosigkeit die großen Städte, was die Regierung natürlich mit Sorge sieht. Die Doku ‚Gen Z in China – Vorwärts aufs Land!‘, für die ARD von Marie von Mallinckrodt produziert, wirft den Blick genau dorthin, wo Chinas Jugend Antworten sucht: auf die Dörfer. Dort begegnet das Kamerateam jungen Menschen mit viel Optimismus – aber auch den ersten Dämpfern. Zwischen Social-Media-Glamour („Land-Influencer“, die in gestylten Feldern Tee kosten) und der eher zähen Realität draußen auf dem Acker tut sich eine echte Kluft auf. Spannend: Die Regierung ermuntert den Nachwuchs, nicht als Bürohengste in den Städten zu verschleißen, sondern auf dem Land mit cleveren Geschäftsideen und digitaler Vermarktung Fuß zu fassen. Sogar eigene Shows wie ‚Tolles Dorf‘ fördern Pioniergeist, gefördert durch Tech-Konzerne wie Tencent. In Wahrheit bleibt das Landleben jedoch oft anstrengender und weit weniger schillernd, als das Social Web es verspricht. Geht dieses große Experiment für Chinas Jugend auf? Zweifel sind angebracht, aber der Wandel ist in vollem Gang. Regie führten Marie von Mallinckrodt und Matthias Sdun. Aus der NDR-Redaktion steuerte Christine Hasper das Projekt. PS: Die Doku ist seit dem 8. März in der ARD Mediathek abrufbar (und sonntags mittags im Ersten).

Die Dokumentation beleuchtet die widersprüchlichen Hoffnungen und Herausforderungen, mit denen junge Chinesinnen und Chinesen konfrontiert sind, wenn sie von der Stadt aufs Land ziehen. Wirtschaftliche Unsicherheit und politische Erwartungen treffen dabei auf einen Hype um das Landleben in den sozialen Medien, der viele Realitäten ausblendet. Abgesehen von medialem Schein kämpfen die jungen Leute oft mit Isolation, fehlender Infrastruktur und den ökonomischen Risiken der Selbstständigkeit – aber auch mit der leisen Hoffnung, der gesellschaftlichen Sackgasse in den Städten zu entkommen. Aktuell berichten Medien wie die Süddeutsche und Zeit außerdem verstärkt über Chinas neue Strategie gegen Jugendarbeitslosigkeit und Einsamkeit: Die Regierung setzt offenbar verstärkt auf Programme wie die Förderung von Start-ups und digitale Dorfinitiativen, um junge Erwachsene aufs Land zu locken. (Quellen s. unten). Hinzu kommen regulatorische Eingriffe: Neue Arbeitsmarktregularien und Weiterbildung werden von chinesischen Behörden forciert, um der Perspektivlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt entgegenzutreten. Bleibt bei all dem politisch erzeugten Optimismus die Frage nach der Nachhaltigkeit so einer 'Trendwende'.

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