Es sind nicht Zahlen, sondern die Menschen, auf die es ankommt – diese Ansicht zieht sich wie ein roter Faden durch das Selbstverständnis der Johanniter. Von der frühkindlichen Entwicklung bis zu offenen Freizeitangeboten für Jugendliche: Überall sieht sich die Organisation als Wegbegleiterin für Kinder und Familien. In dieser Haltung steckt auch ein Stück Skepsis gegenüber reinem Ausbau ohne Blick aufs Detail. Schließlich ist der Ganztag ein Scharnier zwischen schulischer Bildung und sozialer Förderung. Aktuell betreuen die Johanniter deutschlandweit an 220 Standorten rund 14.000 Kinder – ein beachtliches Netzwerk, getragen von pädagogischem Wissen und echtem Engagement. 'Mit dem Rechtsanspruch bekommen viel mehr Kinder Zugang zu gezielter Förderung', sagt Ylvi Hornemann, Leiterin des Fachbereichs Kinder- und Jugendhilfe – und freut sich auf die kommenden Herausforderungen.
Kleiner Einschub: Hinter die Kulissen zu schauen lohnt sich. Ein sozialwirtschaftlicher Akteur wie die Johanniter lebt von fast 35.000 Beschäftigten, Zehntausenden Ehrenamtlichen und über einer Million Unterstützerinnen und Unterstützern. Der Wirkungskreis reicht von Rettungsdienst über mobile Hilfeleistungen und Kinderarbeit bis hin zur Auslandshilfe. Unaufgeregt bis leidenschaftlich bietet das Team ein recht buntes Spektrum, das weit über reine Notfallhilfe hinausgeht. Ja, manchmal stolpere ich fast über diese Bandbreite.
Ab August 2024 tritt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder in Kraft, zunächst für die erste Klasse. Die Johanniter begrüßen die deutschlandweite Ausweitung der Betreuungsangebote, mahnen aber, dass Qualität dabei nicht unter die Räder kommen darf und ausreichende Fachkräfte nötig sind. Laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts fehlen deutschlandweit bis zu 100.000 Erzieherinnen und Erzieher, um die steigenden Bedarfe wirklich abzudecken und die Qualität zu sichern. In den Medien wird kritisch diskutiert, ob Bund und Länder ihren Versprechen zur Ausstattung nachkommen – die Ausbildungswege für Fachpersonal etwa sind lang, und einzelne Bundesländer hinken beim Ganztagsausbau hinterher. (Stand: Juni 2024)