2026 steht beim BAVC nicht nur für ein symbolträchtiges hundertstes Jubiläum, es markiert auch den Wechsel auf Führungsebene: Katrin Sießl, die seit 2005 als geschäftsführender Vorstand die Geschicke lenkte, übergibt an Britta Hensmanns, mit der sie zuletzt im Duo arbeitete. Zeit für ein offenes Gespräch darüber, was den BAVC ausmacht – und wie Wandel funktioniert.
Redaktion: Frau Sießl, an welches Erlebnis denken Sie zuerst zurück?
Katrin Sießl: Ranglisten liegen mir nicht besonders, aber besonders im Gedächtnis geblieben ist mir mein Einstieg und die strategische Neupositionierung des Clubs: Wir haben unser Leistungsangebot ausgebaut und systematisch am Branchenführer bemessen – immer in der Hoffnung, an einzelnen Punkten besser zu sein.
Redaktion: Welche Phase war die schwierigste?
Katrin Sießl: Definitiv der Bruch mit den Kirchenversicherern. Plötzlich mussten wir alternative Vertriebspartner suchen – insbesondere Versicherungsmakler und -vermittler. Das war eine steile Lernkurve.
Redaktion: Was hat Sie an Ihrer Arbeit besonders motiviert?
Katrin Sießl: Gerade zu zeigen, dass nicht nur Großkonzerne erfolgreich sein können – Nähe zu den Mitgliedern, persönliche Beziehungen, solche Dinge gefallen mir einfach.
Redaktion: Was hat sich aus Ihrer Sicht am meisten verändert?
Katrin Sießl: Die unglaubliche Ausweitung der Angebote: Früher lag der Fokus auf der klassischen Autopanne, heute helfen wir z.B. auch Fahrrad- und E-Bike-Fahrern. Auch die digitale Entwicklung ist riesig. Hinzu kamen Hilfsangebote etwa bei Erkrankung oder Notfall, sogar ohne Fahrzeug.
Redaktion: Worauf sind Sie rückblickend stolz?
Katrin Sießl: Als ein Rollstuhlfahrer vor vielen Jahren von einer Panne berichtete, die ihm keiner helfen konnte, haben wir für umgebaute Fahrzeuge und speziell für Handicaps Unterstützung entwickelt. Dass wir das als verhältnismäßig kleiner Club geschafft haben – und alle Partner dabei an einem Strang ziehen – macht mich echt froh.
Redaktion: Frau Hensmanns, was reizt Sie an der Leitung eines Automobilclubs?
Britta Hensmanns: Ich finde die Mischung spannend: innovative Mobilität mit dem Wertekompass des BAVC verbinden. Beeindruckend, wie persönlich der Kontakt zu den Mitgliedern ist und mit wie viel Engagement sich der kleine Club schlägt.
Redaktion: Worauf setzen Sie in der Zukunft?
Britta Hensmanns: Die Formen, wie sich Menschen fortbewegen, ändern sich rasant – darin stecken neue Chancen. Ein großer Schwerpunkt wird weiterhin die Unterstützung von Menschen mit Handicap sein, aber auch die Absicherung für Fahrräder oder E-Bikes wird wichtiger. Digitalisierung im Sinne der Menschen, nicht als Selbstzweck – das ist die Richtung.
Redaktion: Welche Rolle spielen Service und Gemeinschaft?
Britta Hensmanns: Uns liegt Verkehrssicherheit sehr am Herzen: Wir engagieren uns beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat und unterstützen Initiativen für rücksichtsvollen Straßenverkehr. Gemeinschaft und Fairness liegen in unserer DNA – bewegte 100 Jahre stärken nur die Überzeugung, dass wir auf diesem Weg bleiben.
Redaktion: Was verbinden Sie persönlich mit dem Jubiläum?
Katrin Sießl: Der Leitsatz „Einer trage des anderen Last“ ist heute noch aktuell – eine solide Basis, besonders in bewegten Zeiten.
Britta Hensmanns: Es gibt mir Vertrauen und Mut. 100 Jahre gelebte Solidarität zeigen, dass Wandel und Beständigkeit kein Widerspruch sein müssen.
BAVC auf einen Blick:
Mitglieder: etwa 40.000
Spezialleistungen: Unterstützung bei Pannen aller Art (auch für E-Bikes und Rollstühle), Reise-Notfallservice, besondere Hilfen für Menschen mit Einschränkungen.
Website: www.bavc-automobilclub.de