Wer die Vergangenheit sehen, fühlen und vielleicht sogar ein bisschen verstehen will, sollte den Sommer nicht in der Komfortzone verbringen. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. sorgt mit seinen internationalen Jugendbegegnungen und Workcamps genau dafür: Über 30 Programme in ganz Europa, die zeigen, wie sehr Geschichte und Gegenwart zusammenhängen. Manchmal fühlt sich das sogar ein bisschen an wie Detektivarbeit – sei es in Sachsen-Anhalt, in Bayern oder eben mitten in Großbritannien. Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauchen ein in Themen von Flucht und Widerstand – zum Beispiel im dänischen Oksbøl, wo Geschichten von Flüchtenden und mutigen Menschen im Zweiten Weltkrieg lebendig werden. Gespräche mit Zeitzeuginnen, Museumsbesuche, Schreibwerkstätten: All das mischt sich mit echter Arbeit, etwa bei der Pflege eines Friedhofs, auf dem vor allem Frauen und Kinder liegen, die nach dem Krieg ihre Heimat verlassen mussten.
Auch Großbritannien ist mehr als Big Ben und rote Telefonzellen, wie ein Workcamp in Staffordshire zeigt: Jugendliche kümmern sich dort um eine Kriegsgräberstätte und erfahren dabei viel über Schicksale, die selten in Schulbüchern stehen. Natürlich gibt es zwischendrin auch Ausflüge und gemeinsame Freizeit – ohne Zwang und mit vielen überraschenden Momenten (Coventry zum Beispiel ist mehr als nur eine Stadt: Sie ist Symbol für Zerstörung und Versöhnung). Und während manche Fragen vielleicht unbeantwortet bleiben, wächst genau daraus meist ein ganz eigener Blick auf Europa. Schon seit 70 Jahren schafft es der Volksbund so, Brücken zwischen Kulturen zu bauen – und jedes Jahr machen rund 38.000 junge Menschen mit.
Der Hintergrund: Seit seiner Gründung 1919 setzt sich der Volksbund nicht nur für die Pflege von über 830 Kriegsgräberstätten ein, sondern versteht sich auch als Mahner für Frieden und Verständigung. Auch heute noch werden Opfer der Weltkriege geborgen, die Erinnerung bleibt lebendig. Informationen und Anmeldung unter www.volksbund.de/workcamps oder direkt über workcamps@volksbund.de.
Der Volksbund lädt Jugendliche auch 2024 zu einem bunten Programm an internationalen Workcamps und Jugendbegegnungen ein, die sie mit Geschichte an Originalschauplätzen in ganz Europa in Kontakt bringen. In den Camps werden nicht nur historische Themen behandelt und Friedhöfe gepflegt, sondern auch Zeitzeugengespräche geführt sowie Städte mit bewegter Vergangenheit erforscht – oft entstehen Freundschaften über Ländergrenzen hinweg. Laut mehreren aktuellen Berichten steigt das Interesse an internationaler historischer Bildungsarbeit; laut DW nimmt die Beteiligung junger Menschen an Workcamps in Europa spürbar zu, getrieben durch ein wachsendes Bewusstsein für die Bedeutung von Frieden und Erinnerungskultur. Zudem wird immer häufiger die Einbindung digitaler Formate in die Erinnerungspädagogik diskutiert, um auch Jugendlichen den Zugang zu ermöglichen, die nicht reisen können. Einen spannenden aktuellen Fokus in der Debatte stellen Projekte dar, die sich sowohl mit den Folgen der Weltkriege als auch mit aktuellen Formen von Flucht und Vertreibung beschäftigen – hier wird Geschichte direkt erfahrbar und bekommt im Licht der Gegenwart eine neue Bedeutung.