Gibt man sich dem Alltagswandel hin, merkt man schnell: Die Stimmung zur Abkehr vom reinen Bargeld ist alles andere als eindeutig. Laut einer neuen infas quo-Umfrage (im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme) schwankt das Meinungsbild stark — 43 Prozent finden eine digitale Zahlpflicht für Händler sinnvoll, 39 Prozent sind dagegen, der Rest ist unsicher. Besonders spannend: In den Metropolen wie Berlin sagt jede:r Zweite 'Ja' zur neuen Pflicht, während auf dem Dorf weniger als 40 Prozent dafür sind. Vermutlich ist das kein Zufall. Mehr als die Hälfte der Menschen erlebt in Großstädten immer noch regelmäßig den sprichwörtlichen 'Nur-Bargeld'-Zettel an der Theke – anders auf dem Land. Warum setzen viele Händler auf Bargeld? Hauptgrund: Digitale Zahlungsdienste kosten Gebühren und machen mehr Arbeit, meinen 76 Prozent der Befragten. Dazu kommt bei einigen die Angst vor langsamen Leitungen, der Glaube an die Schnelligkeit von Bargeld oder schlicht Bequemlichkeit. Nicht zu vergessen: Ein kleiner Teil vermutet sogar Steuerhinterziehung als Motiv, was schon ein wenig provokant ins Feld geführt wird. Interessant auch die Sorge um Auslandsabhängigkeit: 60 Prozent wünschen sich deutsche oder europäische Bezahlsysteme und erhoffen sich mehr Auswahl jenseits von Visa, Apple & Co – zum Beispiel mit 'Wero'. Dabei nutzen ohnehin fast alle schon eine Bezahlkarte – vor allem die girocard der deutschen Banken. Wirklich überraschend? Vielleicht, aber dann auch wieder nicht, wenn man sich an den letzten Supermarktkassenbesuch erinnert.
Die Debatte um verpflichtende digitale Zahlungsmethoden zeigt, wie sehr sich Stadt und Land voneinander unterscheiden: Während in urbanen Regionen die Akzeptanz für digitale Zahlungen und damit auch für eine gesetzliche Regelung höher ist, dominieren in ländlichen Gebieten noch Skepsis und Bargeld. Etwa drei Viertel der Befragten wittern hinter dem Festhalten an 'Cash only'-Lösungen vor allem die Händlerangst vor Kosten und technischem Aufwand – weniger sind es, die dabei gezielte Steuerhinterziehung vermuten. Die Girocard ist zwar landesweit etabliert; doch der Wunsch nach europäischen Alternativen zu US-Anbietern wie Apple Pay wächst, nicht zuletzt, weil Datenschutzfragen zunehmend Beachtung finden. In den letzten Tagen berichteten mehrere Medien über die Berliner Pläne, teilweise wurde aber auch auf die Herausforderung hingewiesen, die Pflicht verlässlich und fair umzusetzen – kleine Betriebe könnten beispielsweise stärker belastet werden. Erwähnenswert: Die Bundesregierung arbeitet derzeit ohnehin an einer Novelle des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes, um Wahlfreiheit zu stärken, jedoch wurde der Berliner Antrag in Fachkreisen sowohl als Rückenwind als auch als unnötige Doppelung kritisiert.