Nadin Zaya, die gerade neu ins FDP-Präsidium gewählt wurde, sieht die Sache völlig anders als Wolfgang Kubicki. Für sie ist die Vorstellung einer fehlenden Brandmauer gegenüber der AfD unvorstellbar – sie sagt sogar ganz offen: Für mich gibt es diese Brandmauer. Aus ihrer Sicht wäre es ein absolutes Tabu, parlamentarische Initiativen mithilfe der AfD umzusetzen. Denn damit rüttelt man ihrer Meinung nach am demokratischen Fundament und überlässt der AfD Spielräume, die sie garantiert nicht im Sinne der Demokratie einsetzen würde.
Obwohl man Kubickis Wahlerfolg unterschiedlich interpretieren mag, hält Zaya wenig davon, gleich eine politische Kursänderung der FDP zu vermuten. In ihren Augen bedeutet sein Sieg nicht, dass die Partei nach rechts driftet. Im Gegenteil: Sie betont eher das Menschliche im Präsidium und beschreibt die mitunter turbulente Beziehung zwischen Kubicki und Strack-Zimmermann sogar als humorvoll. Diese „Chemie“ sei zwar speziell, aber funktioniere irgendwie zwischen den beiden.
Und was Kubickis polemische Ablehnung der Strack-Zimmermann-Anhängerschaft betrifft? Zaya hält das eher für ein spontanes Wortgefecht während eines aufgeladenen Parteitags. Womöglich war das einfach ein Ausrutscher aus dem Moment heraus – so etwas passiert nun mal, wenn die Nerven blank liegen.
Zaya grenzt sich klar vom (wiedergewählten) Präsidiumskollegen Kubicki ab, insbesondere, wenn es um eine Zusammenarbeit mit der AfD geht. Für die junge Politikerin ist eine „Brandmauer“ essenziell – jede Entscheidung, die von der AfD abhängt, sei für sie ausgeschlossen, weil sie demokratische Prinzipien in Gefahr sieht. Interessant ist, dass solche internen Differenzen auch nach personellen Entscheidungen nicht als Richtungswechsel verstanden werden müssen; Zaya betont vielmehr das Nebeneinander verschiedener Charaktere und Positionen in der Partei.
In den letzten Tagen häufen sich in mehreren Medien die Stimmen, die der FDP im Umgang mit rechten Kräften Zerrissenheit attestieren. Verschiedene Artikel analysieren, wie die Partei sich eine klare Linie zwischen Koalitions- und Oppositionsalltag ringt – wobei sich zunehmend jüngere Mitglieder für deutliche Abgrenzung aussprechen. Besonders auffällig: Die Debatte um einen demokratischen Minimalkonsens in den Parlamenten scheint sich in Teilen der Partei zu verschärfen, was zu neuen innerparteilichen Friktionen führt.