Europäische Modelszene im Sog von Jeffrey Epstein: Investigativ-Doku deckt Netzwerk auf

Hamburg – Die Verheißung einer internationalen Modelkarriere lockt: Ein Scout spricht eine Nachwuchs-Model an, streut große Versprechen, nennt illustre Namen der Modewelt. Für einige junge Frauen verwandelt sich dieses Sprungbrett ins Rampenlicht jedoch rasch in einen Albtraum. Sie verfangen sich in den Strukturen des inzwischen verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein – ein System, dessen Fäden bis tief in Europas Modelagenturen reichen. Der neue ARD-Dokumentarfilm "Epstein Files: Jagd nach Models in Europa" – mit Recherchen von NDR und WDR – zeigt erstmals auf, wie Epstein und seine Komplizen mutmaßlich gezielt über europäische Agenturen junge Frauen rekrutierten. Der Film steht ab sofort in der ARD Mediathek zur Verfügung.

heute 07:04 Uhr | 2 mal gelesen

Die Opfer – zu jung, zu schön, zu hoffnungsvoll – stammen aus verschiedenen Ecken Europas und werden gezielt durch Modelagenturen angeworben. Sie reichen Fotos ein, hoffen auf Verträge, landen jedoch, wie Recherchen von NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung nun offenlegen, mitunter in Epsteins Sog aus Ausnutzung und Angst. Mindestens 19 europäische Frauen wurden im Rahmen der Dokumentation namentlich identifiziert, doch Schätzungen gehen von einer Dunkelziffer aus, die bei Weitem höher liegt. Über 1000 Opfer weltweit vermutet das US-Justizministerium. Die tiefgehende Recherche stieß auf einen schwedischen Modelscout, der Epstein über Jahre Bilder von Dutzenden Frauen zukommen ließ. In Interviews schildern Betroffene wie Mara (Name geändert), wie naiv sie ihren Traum verfolgten und wie man ihnen diesen nachhaltig zerstörte – und mehr: moderne Sklaverei nennen es teils Ermittlerinnen, Anwälte und Expertinnen. In Europa sind Epsteins Helfer bislang weitgehend straflos geblieben, trotz der Verurteilung seiner Komplizin Ghislaine Maxwell. Wer sich für investigative Geschichten interessiert, sollte diese Doku nicht verpassen. Abrufbar in der ARD Mediathek, inklusive Zusatzmaterial und Podcasts für alle, die es genauer wissen wollen.

Die neue ARD-Doku beleuchtet, wie Jeffrey Epsteins Macht weit in Modelagenturen Europas reichte und dabei gezielt junge Frauen ins Visier nahm. Trotz der überwältigenden Beleglage und internationalen Medienberichterstattung blieb ein großer Teil der europäischen Mittäter bisher straffrei – auch, weil juristische Verfolgung in vielen Ländern schwierig ist und Betroffene sich aus Angst oft nicht offenbaren. Laut Medienberichten (u.a. FAZ, SZ, BBC) ist mittlerweile ein offener Diskurs entstanden, mehr Betroffene sprechen sich aus, und es haben sich erste Eckpunkte einer inländischen Gesetzesverschärfung für den Schutz junger Models entwickelt. Aktuelle Ergänzungen aus der Recherche: • Die New York Times berichtete, dass die Zahl der bekannten Opfer in Europa weiterhin ansteigt, da neue Netzwerke und Namen von Kompliz:innen auftauchen (Stand Juni 2024). • Die britische Polizei untersucht momentan Kontakte Epsteins zu prominenten britischen Models und Agenturen. • In Frankreich wird auf Druck von Missbrauchsopfern eine unabhängige Kommission zur Aufklärung von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt in der Modebranche eingerichtet. • Nach neuen Recherchen hat das Europäische Parlament eine Debatte über strengere Regulierung von Modelagenturen auf die Agenda gesetzt, um Schutz und Aufklärung zu verbessern.

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