Grönland: Grüne zeigen sich offen für internationales Militär, kritisieren aber Berliner Zögern

Agnieszka Brugger von den Grünen signalisiert Unterstützung für eine mögliche militärische Präsenz internationaler Kräfte in Grönland, nicht zuletzt, um Dänemark in der (ungewöhnlichen) Konfliktsituation mit Donald Trump den Rücken zu stärken.

heute 00:02 Uhr | 3 mal gelesen

Warum Donald Trump die Situation so zugespitzt hat, bleibt für viele – auch für mich – nur schwer nachvollziehbar. Brugger bringt das auf den Punkt, sie mutmaßt, es könnten Motive im Spiel sein, die bislang nicht offenliegen. Eigentlich, so ihre Argumentation, hätten die USA über die enge Beziehung zu Dänemark alle nötigen Voraussetzungen für militärischen Einfluss. Trotzdem wird deutlich, dass eine Militärpräsenz in Grönland in ihren Augen dann vertretbar wäre, wenn sie von Dänemark selbst eingefordert wird. Gleichzeitig betont sie aber, dass militärische Lösungen allein zu kurz greifen: Cleveres, diplomatisches Vorgehen und – falls nötig – auch wirtschaftlicher Gegendruck gehören dazu. Im Prinzip ein Appell: Die EU solle zwar nicht unnötig militarisieren, aber sich auch nicht permanent zurückdrängen lassen. Interessant übrigens, wie sie in Richtung Bundesregierung austeilt: Das wiederholte Abtauchen und Taktieren, wie es Berlin zuletzt gezeigt hat, empfindet sie als kontraproduktiv. Vielleicht braucht es am Ende keine martialischen Gesten, sondern echtes Rückgrat mit klarem politischem Kurs – selten so klar gehört von einer Grünen-Politikerin. Da steckt ganz schön viel Sprengstoff drin, wenn man genauer hinhört.

Im Kern steht die Sorge, dass die USA im arktischen Raum Probleme antreiben, denen mit reinem Militär nicht begegnet werden kann. Brugger vertritt die Ansicht, dass internationale Militärkooperation wenigstens als Zeichen der Solidarität denkbar ist – aber bitte nicht handstreichartig, sondern nur auf Wunsch Dänemarks. Gleichzeitig werfen aktuelle Recherchen in Medien wie der ZEIT und DW Fragen nach langfristigen geopolitischen Interessen in der Arktis auf: Die Debatte über Grönland wird zunehmend als Paradebeispiel für den globalen Rohstoffwettbewerb gesehen, bei dem China, Russland und die USA um Einfluss ringen, während EU und Nato über passende Antworten ringen. Außerdem unterstreichen neue Berichte, dass eskalierende politische Rhetorik – wie sie Trump an den Tag legt – immer auch wirtschaftliche Folgen haben dürfte, etwa bei LNG-Gaslieferungen und Handelsabkommen. Was Grönland betrifft, spielen neben Souveränitätsfragen auch Umweltschutz und die Wünsche der indigenen Bevölkerung eine größere Rolle als bislang sichtbar. Zusammengefasst: Geopolitik, Diplomatie und das leise Donnergrollen einer möglichen Aufrüstung vermischen sich hier mit langen Schatten der Vergangenheit und einer gewissen Ratlosigkeit vieler europäischer Akteure.

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