Große Mehrheit verteidigt abschlagsfreie Rente: Neue VdK-Umfrage sorgt für kräftigen Rückenwind

Berlin diskutiert hitzig über das Ende der abschlagsfreien Rente – die Bevölkerung hat schon Position bezogen.

heute 10:22 Uhr | 1 mal gelesen

Manchmal, so scheint es, leben Politik und Gesellschaft in zwei verschiedenen Realitäten. Gerade jetzt, wo hitzige Debatten über die Reform der Rente die Runde machen, stemmen sich laut einer aktuellen Umfrage des VdK stolze 75 Prozent der Menschen dagegen, die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte ab 65 zu streichen. Weitgehend unbemerkt von den wissenschaftlichen Planspielen in Berlin signalisieren sogar 78 Prozent, dass sie die abschlagsfreie Rente für Menschen mit Schwerbehinderung ab 65 erhalten wollen. Auslöser der erneuten Diskussion waren Berechnungen des DIW für die Bertelsmann Stiftung: Milliarden könnte der Staat sparen, so die Hoffnung, falls man die sogenannte 'Rente mit 63' kappt oder den Einstieg in den Ruhestand verzögert. Doch diese Rechnung scheint an der Lebensrealität vieler Vorbeizugehen. Die Zahlen aus der YouGov-Umfrage im VdK-Auftrag zeigen quer durch die Gesellschaft hinweg ähnliche Zustimmungswerte – fast schon egal, ob Frau oder Mann, Nord oder Süd, Arbeiter oder Akademiker. Selbst bei den Jüngeren fällt die Zustimmung nicht völlig ab. Wahrscheinlich, weil die Geschichten von Eltern und Großeltern noch nachwirken: Wer sein halbes Leben schuftet, Kinder groß zieht oder Angehörige pflegt, soll nicht mit Abschlägen aus dem Berufsleben geworfen werden. VdK-Präsidentin Verena Bentele bringt es auf den Punkt: Wer jahrzehntelang arbeitet, verdient den abschlagsfreien Ruhestand. Gerade für Ältere, die oft kurz vor der Rente ihren Job verlieren oder beruflich auf der letzten Rille laufen, ist der vorzeitige Ausstieg manchmal die einzige Option – jede weitere Hürde könnte viele endgültig ins Aus drängen. Der VdK warnt eindringlich: Wer ausgerechnet an der Absicherung derer schraubt, die jahrzehntelang mitgeholfen haben, trifft zielsicher die Falschen und riskiert sozialen Sprengstoff. Was tun statt sparen? Der VdK setzt auf mehr und bessere Reha-Angebote, Prävention und attraktivere Arbeitsbedingungen. Es geht, so scheint es, nicht um billige Zahlenakrobatik, sondern um die Frage, wie wir Altern und Arbeit so zusammenbringen, dass das Leben nicht zum Drahtseilakt wird. Die Botschaft: Nicht endlos an den Altersgrenzen schrauben, sondern machen, dass Menschen überhaupt gesund bis zur Rente kommen. Am Ende spiegelt sich diese Haltung deutlich in den Daten wider: Die große Mehrheit will keine schnellen Rentenkürzungen, sondern verlässliche Übergänge und Anerkennung für Lebensleistung – unabhängig von Geburtsjahr oder politischem Lager.

Die neue Umfrage unterstreicht, dass drei Viertel der deutschen Bevölkerung die Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte ablehnen. Besonders hoch ist die Zustimmung für die abschlagsfreie Rente bei Schwerbehinderung; auch jüngere Menschen stehen den geplanten Kürzungen zumindest skeptisch gegenüber. Neuere Medienberichte zeigen zudem, dass aktuelle Renten- und Sozialpolitik weiterhin auf großen Widerstand in der Bevölkerung trifft, mehrere Sozialverbände warnen vor den möglichen gesellschaftlichen Folgen und fordern statt Kürzungen eine Stärkung von Prävention und Rehabilitation. International betrachtet müssen Staaten mit erhöhten Renteneintrittsaltern oft zahlreiche Übergangs- und Sonderregelungen einführen, was die geplanten Einsparungen meist stark einschränkt. Experten beobachten, dass die tatsächliche Belastung älterer Arbeitnehmer in Deutschland – gesundheitlich und sozial – nach wie vor hoch ist, und plädieren für Reformen, die die Lebensrealität der Menschen stärker berücksichtigen.

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