In solchen Momenten fühlt man sich fast in die Ära Adenauer zurückversetzt: Die Weichen sind gestellt, doch wohin führt der Zug eigentlich? Für Franziska Brantner, die Parteivorsitzende der Grünen, ist genau jetzt der Punkt gekommen, an dem der Kanzler tatsächlich Rückgrat beweisen muss – oder eben nachgibt. "Appeasement? Damit kommen wir nicht weiter, wenn Trump vor aller Augen das internationale Regelwerk zerlegt und damit auch unser wirtschaftliches Fundament angreift", so ihre Worte. Das klingt vielleicht nach Alarmismus, aber in Brantners Tonfall mischt sich Empörung mit einem Hauch von Herausforderungsbereitschaft.
Was sollte also passieren? Brantner fordert: Europa müsse strategischer gegen amerikanische Interessen vorgehen und nicht nur reagieren. Eine Digitalsteuer auf US-Internetgiganten wäre ihrer Ansicht nach längst überfällig. Außerdem schlägt sie vor, gezielt Produkte aus Trumps Umfeld mit Zöllen zu belegen, um gezielt Druck zu machen. Das ist, zugegeben, ein Ansatz, der durchaus polarisiert. Aber allgemeiner mahnt sie: Weniger Abhängigkeit, mehr Eigenständigkeit, besonders wirtschaftlich. Europa solle seinen Binnenmarkt stärken, einen funktionierenden Kapitalmarkt aufsetzen und eine offensivere Industriepolitik betreiben. Noch immer schwingt bei ihr die Kritik mit, dass der Kontinent viel zu zögerlich ist – und sie lässt keinen Zweifel daran, dass die Grünen bereitstehen, das zu ändern.
Konkret reagiert Brantner auf Trumps jüngste Ankündigung, ab Februar auf Einfuhren aus dem europäischen Raum (vor allem Deutschland, Frankreich, Großbritannien) zusätzliche zehn Prozent Zoll zu erheben. Sollte es bis Juni keine Einigung über Trumps Pläne zur Grönland-Annexion geben, könnten sogar 25 Prozent fällig werden. Die Botschaft ist laut und deutlich – und Brantner findet noch deutlichere Worte: Wer jetzt zaudert, spielt nach den Regeln von Trumps Spiel.
Die Debatte um Trumps mögliche Wirtschaftssanktionen gegen Europa im Zuge der Grönland-Frage entfacht erneut eine Debatte um die Unabhängigkeit europäischer Wirtschaftspolitik. Brantner und die Grünen kritisieren die Bundesregierung, fordern aber gleichzeitig ein gemeinsames Handeln der EU und bringen neue Vorschläge ein – etwa eine gezielte Digitalabgabe und Zölle auf Produkte, die Trumps Interessen tangieren. Jenseits von Brantners Forderungen wird in aktuellen Analysen jedoch immer wieder betont, wie komplex eine kalte wirtschaftspolitische Konfrontation mit den USA für Europa tatsächlich wäre: Die Abhängigkeit europäischer Firmen von US-Märkten und Technologien ist immens, und besonders die Automobil- sowie die Maschinenbaubranche wären von Zollerhöhungen schwer getroffen (Quelle: [FAZ](https://www.faz.net)), während andere Stimmen (etwa auf [Zeit.de](https://www.zeit.de)) davor warnen, Trumps Drohungen pauschal zu unterschätzen oder auf Provokationen übereilt zu reagieren. Laut einem Bericht von [Spiegel Online](https://www.spiegel.de) erwägen Politiker aktuell ein abgestimmtes europäisches Entgegnungspaket, das aber noch vielen Abstimmungen und innenpolitischen Debatten unterliegt.