Geheimdienste warnen: Iran-Konflikt könnte Europa treffen

Die jüngsten Spannungen im Nahen Osten rufen auch in Deutschland Sicherheitsbedenken hervor. Experten und Kontrollgremien fürchten, dass Konfliktaustragungen auf den europäischen Kontinent überschwappen könnten.

heute 14:43 Uhr | 2 mal gelesen

Marc Henrichmann, der dem parlamentarischen Kontrollausschuss für Nachrichtendienste vorsitzt, betonte gegenüber der 'Süddeutschen Zeitung', dass das iranische Vorgehen schon mehrfach internationale Auswirkungen hatte. Besonders brisant: Henrichmann hält Vergeltungsschläge, auch durch im Westen operierende iranische Agenten, durchaus für realistisch. Insbesondere Einrichtungen, die mit Israel, Judentum oder Amerika verknüpft sind, sieht er als potenzielle Ziele. Er drängt darauf, Schutzmaßnahmen weiterzuentwickeln, bleibt aber gelassen: Panik sei nicht angebracht, weil bereits viele Vorkehrungen bestünden. Ein weitergedachtes Bild zeichnet CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt: Nach dem Tod von Ayatollah Khamenei könnten im Iran Weichen für ein post-theokratisches System gestellt werden. Hardt glaubt, das neue Führungstrio stehe vor einer fundamentalen Entscheidung – fortgesetzte Konfrontation mit dem Westen und Untergang oder ein möglicher Kurs zu mehr Demokratie. Die internationale Gemeinschaft, so Hardt, solle nicht selbst zum Akteur eines Regimewechsels werden, sondern dem iranischen Volk die Zügel überlassen. Interessant ist seine Überzeugung, dass ein pluralistisch angelegtes, demokratisches Iran-Modell funktionieren kann, falls der Abschied von radikalen, antiisraelischen Haltungen gelingt. Am Rande bemerkt Hardt noch, dass die bereits Getöteten zum besonders antiisraelischen Flügel gehörten.

Die Aussagen von Marc Henrichmann und Jürgen Hardt stehen exemplarisch für die gemischte Stimmung im politischen Berlin: Einerseits die akute Sorge vor konkreten Gefahren durch Iran-nahe Netzwerke und Schläferzellen in Europa, andererseits leise Hoffnungen auf einen Wandel im Iran nach Khameneis Tod. Taumelt der Iran aktuell zwischen Fokusverlust und ideologischem Überlebenskampf, könnten Entwicklungen dort dennoch weitreichende Konsequenzen für die regionale und globale Stabilität haben. Manche Kommentatoren bezweifeln allerdings, ob Optimismus bezüglich einer schnellen Demokratisierung realistisch ist; zu stark sind die alten Eliten und die Revolutionsgarden noch im Land verwurzelt – und Erfahrungen aus Syrien, Irak und Afghanistan lassen viele internationale Beobachter vorsichtig bleiben. In den letzten Tagen berichteten verschiedene Medien erneut über mutmaßliche iranische Agententätigkeit in Europa und über neue Cyberbedrohungen aus dem Umfeld Teherans. Dazu kommen Stimmen aus der iranischen Diaspora, die sich Hoffnungen auf einen politischen Umschwung machen, aber auch auf die Risiken einer gewaltsamen Eskalation hinweisen. Die tatsächliche Sicherheitslage bleibt daher volatil, und viele Experten raten zu erhöhter Wachsamkeit ohne Alarmismus.

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