Man könnte meinen, solche Warnungen hören wir nur bei Pandemien oder Naturkatastrophen – aber nein: Die Angst vor Kerosinmangel macht in diesen Tagen auch die Runden am Rollfeld. Claus Wagner, der dem Verband der Air Cargo Abfertiger Deutschlands (VACAD) vorsteht, tastet sich mit seinen Mahnungen fast tastend durch ein Dilemma. Mangel an Kerosin – das klingt absurd für eine Wirtschaftsnation wie Deutschland, aber anscheinend ist es nicht ausgeschlossen, dass in diesem Sommer Treibstoff rationiert werden muss (so wie in Italien jüngst auch).
Ausgerechnet die kleinen Flughäfen scheinen am empfindlichsten zu sein. Dort drohen zuerst Start- und Landebahnen zu verwaisen. 'Lieferketten drohen zu reißen', so Wagner – und solche Formulierungen haben während Corona schon für Gänsehaut gesorgt. Christopher Stoller vom Aircargo Club Deutschland bringt noch einen Aspekt ins Spiel: Luftfracht ist eben mehr als ein Haufen Pakete, die auf Karren geladen werden. Sie ist das, was den globalen Handel zusammenhält – oft unsichtbar, aber elementar. Wenn Tanklastern an Flughäfen demnächst der Treibstoff ausgeht, ist wirtschaftliche Stabilität erstmal ein launiges Glücksspiel.
Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt rührt zusätzlich am Problem: Die europäischen Raffinerien kommen mit der Produktion nicht nach, täglich könnten bis zu 100.000 Tonnen Kerosin fehlen. Das reicht, um zigtausende Flüge (vor allem Mittelstrecke) zu streichen. Verrückt: In so einem Szenario müssten Politiker in Berlin oder Brüssel wie Schiedsrichter entscheiden, welcher Flieger noch abheben darf – und welcher am Boden bleibt.
Luftfrachtunternehmen schlagen Alarm wegen drohendem Kerosinmangel. Besonders regionale und kleinere Flughäfen in Deutschland stehen unter Druck; dort könnten Flüge bald ausfallen, was massive Folgen für die Industrie hätte, da die Luftfracht für Lieferketten essenziell ist – das betonen Branchenverbände und Experten. Die Hauptursachen sind eine angespannte Lage auf dem Treibstoffmarkt, insbesondere infolge von Engpässen in europäischen Raffinerien und weltpolitischen Unsicherheiten. Tatsächlich hat sich in den letzten Tagen die Lage weiter verschärft, weil neue politische Krisen und Streiks in einigen Raffinerien den Druck auf das Kerosinangebot erhöht haben. Laut mehreren aktuellen Berichten werden von großen Flughäfen Priorisierungslisten vorbereitet, um bestimmte Verbindungen bevorzugt zu sichern und schlimmstenfalls Passagier- sowie größere Frachtflüge zu Lasten von kleineren Standorten bevorzugt zu behandeln. In Brüssel laufen Gespräche über eine europaweite Koordination von Kerosinlieferungen und Notfallplänen für kritische Industriezweige.