Rückblickend: Während der Pandemie gab es die Corona-Prämie, bis zu 3.000 Euro – damals griffen viele Betriebe zu, weil sie vergleichsweise noch über Reserven verfügten. Heute, sagte Leibinger der 'Rheinischen Post', befinden sich deutsche Unternehmen aber in einer ganz anderen Lage: Drei Jahre wirtschaftlicher Dämpfer, weniger Aufträge, Unsicherheiten an jeder Ecke. Da klingt der Vorschlag einer Prämie eher nach Wunschdenken. Auch der erhoffte Effekt des Tankrabatts als Antwort auf die steigenden Energiepreise ist für den BDI-Präsidenten nur ein kurzfristiges Pflaster. Seiner Meinung nach stecken dahinter nicht bloß temporäre Turbulenzen, sondern eine grundlegende Verteuerung des Stroms – nach seinen Worten werden wir damit noch ein paar Jahre, vielleicht bis 2027, leben müssen. Staatliche Hilfen könnten eine solche, langfristige Marktveränderung schlicht nicht kompensieren. Möglicherweise hätte ein gezielteres Unterstützungsprogramm, zum Beispiel für Branchen oder Menschen, die besonders unter den Preisanstiegen leiden, mehr Wirkung gebracht. Leibinger kritisierte nebenbei, dass politische und mediale Aufmerksamkeit momentan stark auf Einzelereignisse wie den Iran-Konflikt und hohe Spritpreise fokussiert sei – wesentliche Reformaufgaben würden darüber in Vergessenheit geraten. Die von manchen geforderte Übergewinnsteuer hält er schlicht für ein untaugliches Instrument.
Im Kern nimmt der BDI die Erwartungen an eine Einmalzahlung zum Ausgleich hoher Kosten aus dem Arbeitsalltag vieler Beschäftigter. Hoffnungen, die in der Coronazeit zumindest für eine gewisse Zeit ihre Berechtigung hatten, hält Leibinger momentan für unrealistisch, denn der Wirtschaft fehlen die finanziellen Spielräume. Zusätzlich bleibt der Energiepreisanstieg nach Einschätzung des Verbandes keine vorübergehende Erscheinung, sondern dürfte mittelfristig bestehen bleiben – das Thema beschäftigt nach wie vor zahlreiche Branchen und nicht wenige Privathaushalte. Die Bundesregierung steht damit weiterhin vor dem Dilemma, kurzfristig Unterstützung zu leisten, ohne notwendige Strukturreformen aus dem Blick zu verlieren. Neuere Berichte in großen Medien bestätigen die schleppende Erholung im Mittelstand und eine anhaltende Zurückhaltung bei Investitionen. Besonders im Fokus liegt die Frage, wie gezielt politisches Handeln tatsächlich die am stärksten betroffenen Gruppen entlasten könnte. Und ein Blick auf die Debatte zur Übergewinnsteuer oder Tankrabatte zeigt: Die Meinungen gehen stark auseinander, Wirtschaft und Politik ringen weiterhin um nachhaltige Lösungswege.