Kubicki setzt auf Zweistelligkeit: FDP wieder raus aus dem Schatten

Wolfgang Kubicki, Vizechef der FDP, zeigt sich ambitioniert: Sollte er Parteivorsitzender werden, peilt er erneut Ergebnisse jenseits der Zehn-Prozent-Marke an.

heute 05:02 Uhr | 3 mal gelesen

„Ganz ehrlich, mein erstes Ziel? Die FDP nach diesem unangenehm langen Ausflug ins Niemandsland wenigstens wieder an die Fünf-Prozent-Schwelle ranführen“, erklärte Kubicki im Gespräch mit der 'Welt am Sonntag'. Kleiner Lichtblick am Rand: Die Umfragewerte zucken bereits etwas nach oben – noch kein 'Kubicki-Effekt', wie er sagt. 'Richtig los geht’s, wenn wir die Sechs knacken. Das ist dann ein Anfang.' Aber Kubicki wäre nicht Kubicki, hätte er nicht mehr im Kopf. Ein Ergebnis wie bei den letzten beiden Bundestagswahlen – also irgendwo zwischen 10 und 11 Prozent – das wäre sein Anspruch. Alles darunter? Bloß kein sportlicher Ehrgeiz für ihn. Kubicki kandidiert beim bevorstehenden Parteitag Ende Mai, zunächst mal testweise für zwölf Monate als FDP-Chef. 'Nach dem Jahr wird sich zeigen, ob unsere Partei wieder sichtbar und spürbar ist', so Kubicki, der inzwischen 74 ist. 'Wenn wir trotzdem im Mai 2025 immer noch bei zwei Prozent herumkrebsen – dann kann auch ich die Sache abhaken.' Der erfahrene Stratege gibt zu: Er selbst sieht sich nicht als die Zukunft der FDP. Dennoch, und das kann man ihm kaum absprechen, ist er überzeugt, dass die Partei eine Zukunft braucht. Zu seinem parteiinternen Herausforderer Höne hat er eine klare Meinung: Viel Potenzial, aber zu wenig Öffentlichkeit. 'Wenn Höne abkommen könnte, was die schnelle Sichtbarkeit auf Bundesebene angeht, wäre es einfach. Aber das kennt ihn halt noch keiner richtig.' Sollte Kubicki das Rennen machen, will er Höne dabei einbinden – als Stellvertreter. Das wahre Problem der FDP sei nämlich, so Kubicki, dass sich seit über einem Jahr kaum ein Mensch an irgendwas von den Liberalen erinnert. 'Wahrnehmbarkeit kommt ganz vorne.' Dazu will er sich auch nach außen öffnen: Externe Köpfe sollen die Partei mit frischer Kompetenz bereichern – bereits jetzt seien Gespräche in die Richtung angestoßen, auch wenn er dazu noch nicht mehr sagen will. Bezüglich der AfD bleibt Kubicki kompromisslos offen: Diskutieren? Ja bitte! Aber zusammenarbeiten? Fehlanzeige. Abgrenzung statt Ausgrenzung, so seine Devise. 'Die AfD als schlicht irre zu bezeichnen, ist keine Übertreibung, wenn ich auf deren Forderungen schaue: Euro abschaffen, raus aus der EU, US-Truppen abziehen – alles unvorstellbar. Koalitionsfähig ist die AfD nie.' Und irgendwie klingt es dabei, als wollten er und die FDP sich nicht mehr wegducken, sondern durchaus in die Debatten vorn mitmischen – egal, mit wem.

Wolfgang Kubicki will der FDP nach Zeiten schwacher Umfragewerte wieder neues Leben einhauchen. Sein kurzfristiges Ziel: die Partei überhaupt wieder sichtbar machen und mindestens auf das Niveau der Fünf-Prozent-Hürde zurückführen – mittelfristig schielt er allerdings klar auf zweistellige Wahlergebnisse, wie sie noch 2017 und 2021 erzielt wurden. Kubicki bringt dabei nicht nur offene Worte, sondern ein effektorientiertes, teilweise selbstironisches Führungsverständnis mit; Mitbewerber Höne hält er für zu unbekannt, verspricht dennoch Zusammenarbeit. Besonders merkt man: Wahrnehmbarkeit nach außen und eine harte, aber inhaltlich geführte Auseinandersetzung mit der AfD sind für Kubicki zentrale Stellschrauben, um die FDP wieder relevant zu machen. Interessant: Kubicki spricht auch über Pläne, Persönlichkeiten außerhalb der FDP einzubinden, um Kompetenz und Profil zu stärken – ein eher ungewöhnlicher Gedanke im Parteiengefüge, der angesichts aktueller Krise einen kleinen Tabubruch darstellt. In den letzten 48 Stunden setzen deutsche Medien vor allem auf die sich zuspitzende Debatte rund um die Führung der FDP und deren Weiterentwicklung. Währenddessen äußert Kubicki öffentlich, dass ein weiteres Abrutschen der FDP in der Bedeutungslosigkeit das Ende seiner möglichen Parteiführung bedeuten würde; zugleich zeigt er ungewöhnliche Gesprächsbereitschaft mit Andersdenkenden, sofern es nicht um Koalitionen geht.

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