Das Institut für Demoskopie Allensbach hat im Auftrag der FAZ kürzlich Zahlen geliefert, die zumindest nachdenklich stimmen: Nur noch 34 Prozent der Befragten halten eine besonders enge Zusammenarbeit mit den USA für erstrebenswert, während es im Jahr 2020 noch satte 62 Prozent waren. All die Wirren um Donald Trump gehen jedenfalls auch an den Deutschen nicht spurlos vorbei – 64 Prozent sagen, sie können Trumps Politik nichts Gutes abgewinnen. Interessanterweise halten dennoch über die Hälfte Deutschland weiterhin für auf den amerikanischen Militärschutz angewiesen. Vielleicht ist es eine Art pragmatischer Pessimismus? Jedenfalls sind die Deutschen, was die Weltpolitik angeht, überwiegend skeptisch: 90 Prozent empfinden das allgemeine internationale Klima als bedrohlich – und das, obwohl die Umfrage noch vor den jüngsten Konflikten im Nahen Osten gemacht wurde.
Auffällig ist schließlich, dass Europa in der Wahrnehmung vieler Befragter ins Zentrum rückt. Eine enge Zusammenarbeit mit Frankreich befürworten 75 Prozent, mit Großbritannien 57 Prozent und mit Polen immerhin 51 Prozent – der Wert für Polen hat sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt. Überhaupt gewinnt der Gedanke einer europäischen Armee an Zugkraft: Fast jeder Zweite (49 Prozent) findet die Idee sympathisch, nur 21 Prozent lehnen sie kategorisch ab. Und: Besonders die Jüngeren (16- bis 29-Jährige) halten Europa für einen Hoffnungsträger – hier stimmen 65 Prozent der Aussage „Europa ist unsere Zukunft“ zu. Die Gespräche mit 1.052 Teilnehmern fanden zwischen dem 6. und 19. Februar statt.
Die Ergebnisse der neuen Allensbach-Umfrage legen offen, wie stark sich die Einstellung der Deutschen gegenüber den USA in den letzten Jahren verändert hat – vor allem auch unter dem Eindruck der US-Politik unter Trump, der aktuellen geopolitischen Unsicherheiten und der Debatte um Europas Eigenständigkeit. Während die Sympathie für eine enge deutsch-amerikanische Kooperation deutlich schwindet, wächst parallel das Vertrauen in engere europäische Partnerschaften, besonders mit Frankreich, Großbritannien und Polen. Hinzu kommt verstärkte Zustimmung zu einer europäischen Verteidigungslösung – ein Trend, der besonders bei den Jüngeren auf offene Ohren stößt.
Aktuelle Berichte anderer Medien zeigen, dass diese Umfrage gut in ein größeres Bild wachsender Unsicherheit und Neuorientierung in Deutschland passt: Laut taz sorgt der zunehmende Populismus in den USA für Unsicherheit in Europa, während die Süddeutsche Zeitung über die Debatte um die Abhängigkeit Deutschlands von amerikanischen Sicherheitsgarantien berichtet. Auf dw.com wurde jüngst analysiert, wie sich das deutsch-amerikanische Verhältnis nach dem letzten Wahlausgang verändert hat und wie sich dies politisch im Alltag widerspiegelt.