Ehrlich gesagt war das Zerwürfnis zwischen Deutschland und Frankreich beim FCAS-Projekt fast vorhersehbar – schließlich prallen hier nicht nur wirtschaftliche Interessen aufeinander, sondern auch große politische Egos; Frankreich als Atommacht mit Dassault als etablierter Player auf dem Feld, Deutschland mit Airbus und dem Anspruch auf Mitbestimmung. Dass France und Germany sich gerade bei der Führung des Projekts nicht einigen konnten, ist bedauerlich – aber nicht wirklich ein Novum in der europäischen Zusammenarbeit. Was Brantner allerdings tatsächlich erschüttert: dass es nicht gelang, diese Differenzen auf politischer Ebene zu umschiffen. 'Kanzler Merz trägt hier unzweifelhaft eine Mitschuld', so Brantner. Ein ungewöhnlicher, aber wichtiger Aspekt: Sie erinnert daran, dass Dassaults Gründer, Marcel Dassault, ursprünglich Marcel Bloch, während des Zweiten Weltkriegs als Jude im KZ Buchenwald überlebte. Solche Details, findet sie, sollten Teil eines sensiblen Umgangs miteinander sein – gerade weil sie das Fundament deutsch-französischer Beziehungen berühren. Nun sofort den Griff zur US-F-35 ins Auge zu fassen, hält Brantner für einen Trugschluss: Echter Fortschritt und europäische Souveränität erwachsennicht aus einer bloßen Aufrüstung mit amerikanischer Technik, zumal hier das geistige Eigentum auch nicht in deutscher Hand liegt. Warum also nicht lieber eine faire Aufgabenverteilung mit Paris anstreben? Ohne Frankreich bleibt die europäische Verteidigung ein Papiertiger – und gegen Frankreich ist sie schlicht ausgeschlossen. Genau das, so Brantner, hat Merz offenbar aus dem Blick verloren.
Die Grünen-Politikerin Franziska Brantner wirft Kanzler Merz vor, mit dem vorzeitigen Aus des FCAS-Projekts die europäische Verteidigungskooperation unnötig geschwächt zu haben. Sie betont die politische und symbolische Bedeutung einer deutsch-französischen Zusammenarbeit, insbesondere im sicherheitspolitischen Kontext, und warnt vor einer einseitigen Hinwendung zu amerikanischer Technik. Tatsächlich hält die Debatte über Rüstungskooperationen Europa derzeit in Atem, da nach dem FCAS-Aus weitreichende Diskussionen über europäische Souveränität, Technologie-Transfer und das Verhältnis zu den USA ausgebrochen sind – außerdem berichten etwa taz und Spiegel aktuell, dass Frankreich nun selbstbewusst neue Verteidigungsprojekte anstößt, während auf deutscher Seite die Debatte um Industriestandort, Wehrtechnik und Zukunftsvisionen tobt.