Hans Meyer: Vom Bolzplatz zum Fußballphilosophen – eine MDR-Reise durch ein Trainerleben

Der neue MDR-Film „Mensch Meyer! Hans, der Fußballphilosoph“ nimmt uns mit auf die Stationen eines ungewöhnlich scharfzüngigen Trainers. Begleitet wird der Kultcoach Hans Meyer zu jenen Orten, wo Disziplin, Humor und die berühmte Prise Sarkasmus seine Karriere prägten. Der 90-minütige Dokumentarfilm feiert seine Premiere am 8. Januar 2026 in Jena und landet anschließend in der ARD Mediathek sowie im MDR-Abendprogramm.

05.01.26 17:11 Uhr | 23 mal gelesen

Die Filmemacher Marion Tetzner und Eik Galley haben Hans Meyer auf eine Tour de Force durch viele Stationen seines Fußballerlebens geschickt: Zehn Orte, zahllose Erinnerungen, alte Freunde – und immer mittendrin Meyer, wie man ihn kennt. Gelegentlich nüchtern, dann wieder augenzwinkernd oder nachdenklich, erzählt der mittlerweile 83-Jährige, was ihn auf dem Platz und daneben angetrieben hat. Schnell merkt man, hier wird keiner nur abgefeiert: Die Mischung aus DDR-Disziplin und holländischer Lockerheit, die er von Twente Enschede mitnahm, hat Spuren hinterlassen – im Guten wie im weniger Guten. Das Ganze gerät – wohl nicht zufällig – zu einer Collage aus skurrilen Momenten: Mal geht’s um alte Rivalitäten in Chemnitz, ein andermal um Anekdoten aus den aufreibenden Tagen in Mönchengladbach oder Nürnberg. Besonders amüsant: Wie Meyer als Trainer ständig neue Rituale erfand, den berüchtigten „Spelersroom“ etwa. Oder die Erinnerung daran, wie er als junger Trainer Disziplin forderte und doch immer wieder für einen Lacher gut war. Die öffentliche Vorstellung des Films findet in Jena statt – der Stadt, bei der alles für Meyer begann. Neben Meyer selbst sind Wegbegleiter, JournalistInnen und die Macher des Films mit von der Partie. Wer Lust auf einen manchmal nostalgischen, manchmal bissigen, aber nie langweiligen Blick auf ein echtes Original des deutschen Fußballs hat, sollte einschalten.

Der MDR-Film würdigt Hans Meyer nicht als makellose Legende, sondern vielmehr als umtriebigen Charakter, der stets zwischen Schalk und Härte balancierte. Die Stationen seiner Karriere – von den harten Jugendjahren bei Carl Zeiss Jena über Chemnitz bis zu den Erfolgen mit Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Nürnberg – zeigen, wie Meyers Mischung aus Fachwissen, Selbstironie und gelegentlicher Strenge bis heute nachhallt. Interessant: Meyer ist als einziger Trainer DFB-Pokalsieger sowohl im Osten als auch im Westen Deutschlands geworden und bleibt mit seiner schnoddrigen Art ein Typus, den Fußball-Deutschland so schnell nicht wiedersehen dürfte. Erweiterte Recherche: Die Diskussion um Meyers Vermächtnis hat in den letzten Tagen noch einmal Fahrt aufgenommen – laut taz werden Trainer mit klarer Kante und unverstelltem Humor wie Hans Meyer im modernen Fußball vermisst, während der Spiegel fragt, ob die Rückbesinnung auf Typen wie ihn dem „hochglanzpolierten“ Sport nicht guttun würde. DW.com berichtet zudem über das Revival ostdeutscher Fußballtraditionen im aktuellen Profisport, wobei Meyers Einfluss auf spätere Generationen immer wieder hervorgehoben wird.

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