Geppert: Trump bringt alte Machtspiele radikal zurück

Der Historiker Dominik Geppert beobachtet weltweit das Comeback knallharter Großmachtinteressen. Ob das nur rückwärtsgewandt oder beunruhigend visionär ist? Geppert hat dazu eine klare, aber nicht unbestrittene Meinung.

05.01.26 17:01 Uhr | 23 mal gelesen

Wenig subtil, aber durchaus konsequent: Was US-Präsident Donald Trump politisch treibt, ist für Dominik Geppert, Professor in Potsdam, zwar altbekannt aus Geschichtsbüchern, aber in unserer Zeit ziemlich ungewohnt. Wo viele noch daran glaubten, wirtschaftliche Verflechtung hätte das Muskelspiel der Politik gebändigt, demonstriert Trump das Gegenteil: Politik steht hier wieder über allem, auch über dem Ökonomischen. Besonders auffällig ist, wie ein Präsident, der sich eigentlich als Pragmatiker aus der Wirtschaft inszeniert, auf der Weltbühne zum harten Akteur nationaler Interessen wird – und das teils mit brachialen Methoden, etwa im Venezuela-Konflikt. Ironischerweise verlässt Trump damit den viel beschworenen Isolationismus amerikanischer Prägung und zeigt eine aggressive Haltung, wie man sie sonst eher aus Großmachtzeiten kennt. Geppert meint, dass es erstaunlich ist, wie diese 'alte Schule der Außenpolitik' angesichts globaler Verflechtungen wieder Fuß fassen will – und zweifelt daran, ob das in der vernetzten Welt langfristig funktionieren kann. Kann man die neue Realität also einfach mit alten Werkzeugen meistern? Vermutlich ist das der Lackmustest, der gerade abläuft. Übrigens: Wer erwartet, hier würde alles brav und flüssig aufeinander folgen, der irrt. So ganz ohne Sprünge lässt sich diese Geschichte ohnehin nicht erzählen.

Geppert warnt davor, die Rückkehr zu klassischen Machtpolitiken habe Schattenseiten, weil sie internationale Regeln und Kooperation gefährden könnten. Seine Einschätzung, dass wirtschaftliche Vernetzung nicht dauerhaft durch Zölle oder Konfrontationen wie zu Trumps Zeiten auszuhebeln sei, wird inzwischen von mehreren Wirtschaftsexperten bestätigt – die aktuellen Lieferkettenprobleme und internationale Unsicherheiten zeigen aber auch, wie fragil weltweite Abhängigkeiten sind. Inzwischen deuten viele politische Analysten darauf hin, dass Trumps Stil – die aggressive Kombination aus Wirtschaftsdruck und politischer Einmischung – nicht nur ein Rückfall ins 19. Jahrhundert ist, sondern auch als Warnsignal für eine Ära gesehen werden muss, in der internationale Regeln leichter missachtet werden können – auch, weil andere Großmächte sich ähnlich positionieren.

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