Nach aktuellen Ergebnissen des Forsa-Instituts, erhoben im Auftrag von 'Stern' und RTL, tendieren 51 Prozent der Deutschen dazu, dass sich die Europäische Union mit eigenen Strafzöllen und klaren Gegenmaßnahmen gegen die USA behaupten sollte. 44 Prozent setzen allerdings lieber auf Geduld – sie wünschen sich weitere Verhandlungen, statt direkt den Konfrontationskurs einzuschlagen. Fünf Prozent sind bei der Frage unentschlossen, wissen also nicht so recht, was zu tun wäre.
Diese Ergebnisse spiegeln wider, wie nervös das Thema auch intern betrachtet wird. Die politische Erwartung: Gerade Deutschland und Frankreich sollen sich nicht nur abseits halten, sondern lauter werden – mit einem Rezept irgendwo zwischen Gesprächsbereitschaft und deutlicher Kante. Dass der Streit wieder aufkocht, ist dabei kaum von der Hand zu weisen: Noch im Vorjahr hatten EU und USA mühsam einen Deal ausgehandelt, bei dem die US-Zölle für europäische Exportwaren auf maximal 15 Prozent begrenzt wurden. Das schien zunächst ein Durchatmer für exportorientierte Unternehmen beider Seiten.
Doch nun droht Washington plötzlich, die Regeln zu brechen und Zölle zu erhöhen. Diese Kehrtwende könnte all die Verbesserungen zunichtemachen und einen gefährlichen Reigen neuer Handelshürden einleiten. Experten warnen: Verschärfte Zollschlachten treffen nicht nur klischeehaft die Autokonzerne, sondern könnten sich durch sämtliche Lieferketten fressen und inmitten einer ohnehin wackeligen Konjunktur zum echten Risiko werden.
Der erneute Streit über Zölle zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten erzeugt spürbare politische und wirtschaftliche Spannungen – innerhalb Europas wächst das Bedürfnis nach einer gut abgestimmten Strategie. Während eine knappe Mehrheit der deutschen Bevölkerung Vergeltungszölle unterstützt, herrscht Unsicherheit über die möglichen Folgen: Zusätzliche Einfuhrabgaben könnten nicht nur einzelne Branchen wie die Auto- oder Maschinenbauindustrie empfindlich treffen, sondern langfristig auch Investitionen abschrecken und die ohnehin fragile wirtschaftliche Erholung in Europa bremsen. Interessanterweise verläuft die öffentliche Debatte entlang der Frage, ob Härte oder Dialog die bessere Antwort auf protektionistische US-Tendenzen ist – und mit dem Wahljahr in den USA bekommt das Thema eine zusätzliche politische Brisanz.
Zuletzt hob Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, hervor, dass die EU nach wie vor bereit sei, im Dialog zu bleiben, jedoch im Fall weiterer US-Sonderzölle „geeignete Gegenmaßnahmen nicht ausschließen will“. Auch in den Medien wächst die Kritik an der wenig kalkulierbaren US-Handelspolitik, während in Europas exportorientierten Betrieben die Skepsis gegenüber langen Zollschlachten steigt.