Manchmal wünscht man sich, Dinge liefen von selbst – beim deutschen Smart-Meter-Rollout jedenfalls wäre das nicht aufgegangen. Klaus Müller, der Chef der Bundesnetzagentur, machte im ntv-Podcast "Klima-Labor" ziemlich deutlich: Es geht nicht bloß darum, langsam zu sein. Die betroffenen Netzbetreiber haben ganz offensichtlich Fristen ignoriert – und das nicht zum ersten Mal. Über das ganze Jahr 2023 wurden die Zwischenstände regelmäßig abgefragt. Eigentlich genug Warnungen, meint Müller. Und doch: 77 Netzbetreiber bleiben säumig.
Einige der Unternehmen gaben zu, dass wohl etwas "unglücklich gelaufen" sei. Müller hat da jedoch wenig Geduld: "Diese Ausreden lassen wir nicht länger gelten." Was auffällt: Besonders kleinere Anbieter tun sich schwer. Rollout nebenbei – das klappt halt selten gut. Die oft knapp besetzten Stadtwerke könnten externe Dienstleister beauftragen, meint Müller. Immerhin existieren auch gelungene Beispiele – wie etwa die Stadtwerke Lübz, die als erste Firma seit 2024 eine vollständige Umsetzung vorweisen können.
Der deutsche Weg unterscheidet sich übrigens: Im Unterschied zu vielen anderen Ländern setzt man hier auf einen gestuften Ausbau. Zunächst erhalten alle Haushalte und Gewerbe mit über 6.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch ein Smart Meter – sowie jene, die selbst mehr als 7 kW Strom einspeisen, oder steuerbare Geräte wie Wärmepumpen besitzen. Bis 2032 sollen 90% der Pflichtfälle umgerüstet sein, zur Zwischenetappe 2025 lag die Zielmarke bei 20%. Diese wurde – zumindest auf Bundesebene – erreicht: 23,3% der Pflichtstellen sind ausgestattet, über alle Haushalte und Betriebe hinweg allerdings erst 5,5%.
Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland Schlusslicht: Während Länder wie Schweden, Dänemark oder Norwegen fast lückenlos umgestellt haben, wirkt die deutsche Geschwindigkeit fast verschlafen.
Die Bundesnetzagentur hat im März Ermittlungen gegen 77 Netzbetreiber gestartet, weil sie gesetzliche Fristen beim Einbau intelligenter Stromzähler missachtet haben. Besonders kleinere Stadtwerke tun sich mit der Pflichtumrüstung schwer, doch gilt das nicht als Entschuldigung – externe Lösungen wären möglich gewesen, so die Behörde. Bisher ist die bundesweite Umsetzungsquote bei Pflichtfällen zwar leicht über Plan, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinkt Deutschland aber stark hinterher.
In einer aktuelleren Entwicklung pocht die Bundesnetzagentur auf rechtliche Konsequenzen bei anhaltenden Verstößen, um den Druck auf die Unternehmen zu erhöhen. Laut Medienberichten steigen Verbraucher:innen in Deutschland zunehmend auf digitale Stromtarife um, was den Bedarf an Smart Metern und deren konsequenten Ausbau sogar noch verstärkt. Parallel gibt es Initiativen mehrerer Bundesländer, vor allem den Einbau in Mehrfamilienhäuser zu beschleunigen – ein Bereich, der bislang häufig vernachlässigt wurde.