Wenn draußen das Thermometer explodiert, werden Altenheime und Kliniken zum Backofen – daran hat sich bislang kaum etwas geändert. Überrascht? Leider nicht, meint Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz (und ich kann ihm ehrlich gesagt nur zustimmen). Er kritisiert scharf, dass Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen bis heute oft nicht mal die simpelsten Maßnahmen gegen die Hitze umgesetzt haben. Viele Fenster brüten in der prallen Sonne ohne ein Fünkchen Schatten, von modernen Klimaschutzkonzepten keine Spur. Immer noch enden alle schützenden Pläne genau dort, wo es ans Eingemachte geht: beim Geld.
Brysch sieht nicht nur Berlin am Drücker: Er fordert Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und Umweltminister Carsten Schneider auf, noch dieses Jahr Nägel mit Köpfen zu machen. Und auch in den Bundesländern brauche es endlich baurechtliche Vorschriften, damit zumindest bei Neubauten niemand mehr ins Schwitzen kommen muss – nicht nur im übertragenden Sinne. Was ist eigentlich so schwer daran, die Raumtemperatur auf maximal 25 Grad zu begrenzen?
Auch Verena Bentele vom VdK mahnt, dass viele Pflegeheime mit ihren alten Gemäuern ohne Klimaanlage die Hitze schlicht nicht mehr verkraften. Für die ohnehin gesundheitlich angeschlagenen Bewohner kann das tatsächlich lebensbedrohlich werden. Es sei längst an der Zeit, Gebäude – neu wie alt – klimawandeltauglich auszustatten. Es wirkt beinahe absurd: Die Wissenschaft weiß längst Bescheid, dass Hitzewellen immer häufiger und heftiger kommen. Laut Weltklimarat (IPCC) erlebt man Extremtemperaturen heute rund dreimal häufiger als früher, Tendenz steigend. Und trotzdem schaut die Politik noch allzu oft untätig zu. Da bekommt das Wort "Hitzefrei" einen ganz neuen Beigeschmack.
In Deutschland fordern Patientenschützer wie Eugen Brysch und der Sozialverband VdK dringende und verbindliche Maßnahmen zum Hitzeschutz in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Angesichts der zunehmenden Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen, verursacht durch den menschengemachten Klimawandel, stehen vor allem ältere und gesundheitlich beeinträchtigte Menschen vor erheblichen Risiken. Nach aktuellen Berichten bleibt die Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen (z. B. Verschattung, Klimatisierung, gesetzliche Vorgaben für Bestands- und Neubauten) vielerorts mangelhaft – eine Situation, die sich laut Fachleuten und Wissenschaft unbedingt noch in diesem Jahr verbessern muss, um den Gesundheitsschutz nachhaltig zu sichern. Einige Kliniken etwa in Nordrhein-Westfalen haben inzwischen Pilotprojekte gestartet, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, beispielsweise durch den Einbau von speziellen Fassaden oder mobilen Klimageräten, doch flächendeckende Standards fehlen weiterhin. Die Diskussion um Finanzierungen und rechtliche Grundlagen läuft aktuell auf Hochtouren, auch aufgrund jüngster Hitzewellen und steigender Krankenhaus-Einweisungen wegen Dehydration und Hitzeerschöpfung. In Frankreich hat der Staat beispielsweise bereits seit 2004 verpflichtende Hitzeschutzpläne, was in Deutschland bislang eher als Stückwerk funktioniert.