IG Metall prüft variable Gehaltszuschläge je nach Betriebsgewinn

IG Metall denkt laut über ein neues System nach: Künftig könnten automatische Gehaltszuschläge für Beschäftigte ausgelöst werden, wenn Unternehmen besonders hohe Gewinne einfahren. Das Ziel – mehr Fairness über Branchen hinweg.

heute 06:02 Uhr | 1 mal gelesen

Unter dem Strich stehen Autobauer und ihre Zulieferer momentan gehörig unter Druck. Währenddessen laufen Medizintechnik oder Rüstungsfirmen zu Höchstform auf und fahren enorme Gewinne ein – so zumindest sieht es der IG-Metall-Bezirkschef an der Küste, Daniel Friedrich. Gemeinsam mit dem NRW-Kollegen Knut Giesler fordert er daher eine Art Bonus-System: Schrammt eine Firma an oder über eine bestimmte Umsatzrendite, zum Beispiel 4,6 Prozent, würden Extra-Zahlungen automatisch fällig – konkret etwa eine Verdopplung des sogenannten T-Geldes. Das klingt im ersten Moment etwas sperrig, könnte aber dazu führen, dass etwa 30 Prozent der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie spürbar profitieren. Für einen durchschnittlichen Facharbeiter wären das gut 700 Euro Zuschlag. Doch es bleibt nicht bei höheren Löhnen für gut laufende Unternehmen. Für Betriebe, die mit dem Rücken zur Wand stehen, sind ebenfalls neue Instrumente im Gespräch. In schwierigen Zeiten brauche es flexible Werkzeuge – etwa automatische Reduktionen bei sehr niedrigen Renditen. Eines will Giesler aber klarstellen: Der Klassiker unter den Sparforderungen, die Abschaffung der 35-Stunden-Woche, stehe für ihn außer Frage. Schließlich zahlen einige große Automarken trotz Krise weiter hohe Dividenden aus. "Wie will man da einem Arbeiter klarmachen, dass er nun auch noch länger ran muss?", fragt Giesler. Die eigentliche Herausforderung, um internationale Konkurrenz – etwa aus China – zu parieren, sei aus seiner Sicht ohnehin eher die Energiepolitik als die Arbeitszeit.

Die IG Metall setzt sich aktuell dafür ein, Gehaltssteigerungen künftig am Erfolg einzelner Betriebe auszurichten – große Profiteure sollen Beschäftigte besser mitverdienen lassen. Gleichzeitig lassen die Gewerkschafter durchblicken, dass sie bei schwächelnden Firmen auch zu Zugeständnissen bereit sind, um Arbeitsplätze und Branchen zu sichern. Neu ist, dass dabei ganz konkrete Schwellenwerte für Renditen als Auslöser dienen könnten, was das komplexe Geflecht von Tarifverträgen und betrieblicher Realität durcheinanderwirbeln könnte. Recherchen aus anderen aktuellen Beiträgen zeigen, dass die Forderung der IG Metall nach differenzierteren Lohnerhöhungsmodellen in der Branche für Diskussionen sorgt. In den vergangenen Tagen berichtete die Süddeutsche Zeitung über die laufenden Vorbereitungen zur kommenden Tarifrunde und betonte die Spaltung zwischen gut laufenden und schwächelnden Bereichen der Industrie. Ebenso wird deutlich, dass zahlreiche Beschäftigte sich vor weiter steigenden Lebenshaltungskosten fürchten und innovative Tarifmodelle als möglichen Ausweg sehen. In anderen Nachrichtenquellen wird sichtbar, dass die Debatte auch politische Schärfe besitzt: Gewerkschaften pochen auf stärkere Arbeitnehmerrechte, während Arbeitgeberverbände vor zu viel Bürokratie und Wettbewerbsnachteilen warnen.

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