Berliner Glanz verblasst: Umfrage zeigt Rückgang der Faszination

Eine aktuelle Befragung von Allensbach wirft einen kritischen Blick auf Berlins Wirkungsgrad: Die Hauptstadt begeistert immer weniger Menschen in Deutschland.

heute 06:48 Uhr | 2 mal gelesen

Gerade kam es in der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' (Freitag) zur Sprache: Nur noch 31 Prozent der Deutschen verspüren tatsächliche Faszination für Berlin – fast verbindet man mittlerweile eher eine Art Unbeteiligtsein oder sogar eine latente Abneigung mit der Hauptstadt. Die Zahlen sprechen für sich: 36 Prozent sagen klar, sie empfinden Berlin als eine Stadt, der es an Ausstrahlung fehlt. Kurios, wenn man bedenkt: 2007 sah das noch ganz anders aus. Damals fanden noch zwei Drittel, Berlin habe das gewisse Etwas, während nur ein Bruchteil der heutigen Skeptiker damals so dachte. Schaut man weiterhin auf die Umfrageergebnisse, wird Berlin sogar in Sachen Städte-Attraktivität von Hamburg (48 Prozent Zustimmung) und München (47 Prozent) auf die Plätze verwiesen. Unerwartet deutlich: 46 Prozent nennen Berlin im Zusammenhang damit, wo sie auf keinen Fall leben wollten – nur Frankfurt liegt ähnlich weit hinten. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt – immerhin wünschen sich noch 13 Prozent, am liebsten in Berlin zu wohnen. Aber auch hier: Hamburg und München sind populärer. Erinnern wir uns: Die Befragungsdaten stammen vom 1. bis 13. August, und insgesamt 1.039 Interviews wurden geführt. (Am Rande: Interviews können auch mal stimmungsabhängig ausfallen, finde ich – wer weiß, wie die Werte nach einem besonders sonnigen Berliner Herbst aussehen würden?)

Die Umfrage spiegelt einen bemerkenswerten Stimmungswandel wider: Die Begeisterung für Berlin als aufregende Metropole hat sich in zwei Jahrzehnten mehr als halbiert. Laut Daten des Allensbach-Instituts schneidet die Hauptstadt heute deutlich schlechter ab, sowohl in Sachen Faszination als auch Sympathie – vor allem im Vergleich zu Städten wie Hamburg und München, die sowohl als Wunsch- als auch Wohnorte beliebter sind. Gründe für diesen Verlust an Anziehungskraft könnten vielfältig sein: Hohe Lebenshaltungskosten, Kriminalitätsdebatten, Wohnungsnot, gefühlte Überforderung der Stadtverwaltung – all das mag Bürger:innen anderswo in Deutschland abschrecken. Ergänzend lässt sich sagen: Aktuelle Medienberichte thematisieren zusätzlich Probleme wie ausgelastete Infrastruktur, Müllprobleme, mangelnden Wohnraum und die Debatte um die politische Handlungsfähigkeit des Berliner Senats. Auch wird die Kluft zwischen Glamour der Start-up- und Künstlerszene und dem Alltag vieler Einwohner größer wahrgenommen. Dennoch bleibt Berlin ein Magnet für Kreative, Zugezogene und internationale Gäste – nur eben weniger ein Sehnsuchtsort für den klassischen Durchschnittsdeutschen.

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