Mal ehrlich, so wie wir im Augenblick mit dem Klimawandel umgehen, ist das eher Flickschusterei als Strategie – zumindest meint das Wolfgang Kießling, Professor an der FAU Erlangen. Er hält wenig von Kompromissen: Jeder noch so kleine verhinderte Temperaturanstieg zähle, doch bei uns läuft es gerade eher rückwärts, wirtschaftliche Interessen stechen dauernd den Umweltschutz aus. Für Kießling ist die berühmte 1,5-Grad-Bremse im Pariser Abkommen ohnehin passé. Rechnet man die aktuellen Maßnahmen zusammen, steuert der Planet auf fast drei Grad mehr bis 2100 zu – ein gigantisches Risiko, nicht nur für Korallenriffe und Küstenbewohner, sondern im Grunde für alle. Kießling, der auch den letzten IPCC-Bericht mitverfasst hat, betont, dass der momentane Klimawandel im Gegensatz zu früheren, eher lokalen historischen Klimaänderungen, fast ausschließlich menschengemacht und global ist. Besonders endemische Arten sind gefährdet; an Land oder im Meer – überall wandern sie den kühleren Temperaturen hinterher, schaffen es aber oft nicht schnell genug. Tragischstes Beispiel ist die Mosaikschwanzratte, deren Inselheimat vom steigenden Meeresspiegel weggespült wurde. Kießling meint, wir dürfen nicht weiter nur auf Klimaschutz schielen, sondern müssen uns zugleich anpassen: mehr grüne Städte, weniger Beton, Hitzeschutz in Pflegeheimen. Und der ewige Streit ums Ausbaggern von Flüssen? Das helfe niemandem, schon gar nicht der Wasserknappheit. Wir müssen viel grundlegender umbauen, als es viele wahrhaben wollen.
Der Erlanger Paläobiologe Wolfgang Kießling findet, dass die aktuelle Klimapolitik viel zu träge ist, um echten Wandel zu schaffen. In seinen Augen kommen wir an harten Limits vorbei – die 1,5-Grad-Marke ist längst überschritten, und der eingeschlagene Kurs führt uns geradewegs in massive ökologische wie gesellschaftliche Krisen. Besonders alarmierend: Küstenschutz, Fischerei und Artenvielfalt stehen vor dem Kollaps, während die Maßnahmen hinter der Dringlichkeit zurückbleiben. Neuere Studien (2024) unterstreichen, dass selbst bei Einhaltung der Pariser Ziele gravierende Schäden eintreten könnten; der IPCC mahnt verstärkte Anpassungsmaßnahmen an. Große deutsche Städte wie Hamburg und Berlin basteln mittlerweile an eigenen Hitzeschutzkonzepten. Gleichzeitig fordern zahlreiche Fachleute international, dass Anpassung – also urbane Begrünung, Infrastruktur-Umbau und gezielte Schutzmaßnahmen für Risikogruppen – nicht als Notlösung gesehen werden darf, sondern zur Strategie gehört. Die Bundesregierung ringt gerade mit neuen Klimagesetzen, gerät aber oft zwischen Wirtschaft und Umweltverbänden in die Zwickmühle.