Es gibt Geschichten, die kriechen regelrecht unter die Haut – vermutlich auch, weil sie im Schatten der Öffentlichkeit angesiedelt sind. Genau dort setzt der Film "Milliarden Dollar Babies – Große Gewinne mit kleinen Aalen" an, geregisiert von Sebastian Weis. Mit einem Drehbuch, das sich eher wie ein Krimi als wie eine klassische Doku anfühlt, nimmt der Film die Zuschauer mit auf eine atemberaubende Reise von europäischen Flussufern bis in dunkle Nächte an Strände der Karibik.
Die Nachfrage nach dem Europäischen Aal ist über Jahrzehnte fast schon absurd gestiegen. Obwohl das schlangenähnliche Tier auf der Roten Liste steht, stellt es eine der begehrtesten Delikatessen auf ostasiatischen Märkten dar. Der Film taucht tief ein in die Welt der Schmuggler – darunter auch professionelle Zwischenhändler und mafiöse Netzwerke aus Fernost. Getrieben wird dieses Geschäft nicht selten von Habgier, Ignoranz und, ja, auch von gesellschaftlichen Traditionen, die dem Aal eine fast magische Bedeutung zuschreiben.
Im Ökothriller-Format wird nicht gekleckert, sondern geklotzt: Geld zählt, Naturschutz interessiert nur wenige, solange der Profit stimmt. Mit teils drastischen Bildern zeigt "Milliarden Dollar Babies" unter anderem Bargeld-Deals am Ufer der Dominikanischen Republik und riskante Schmuggelreisen von Paris bis nach Hongkong. Was manchmal klingt wie Fiktion, ist allerdings die harte Realität des illegalen Wildtierhandels – und der kleine unscheinbare Glasaal spielt die Hauptrolle in einem ökologischen Drama.
Passend zum Film gibt es einen Podcast: "Billion Dollar Babies – Der Aal und die Gier". Darin berichten die Journalisten Sebastian Weis und Marcel Ozan Riedel von ihren oft riskanten Recherchen. Die Aal-Dame – gesprochen von Katja Riemann – dient als poetische Erzählfigur. Der Podcast verfolgt die Spuren des Aalschmuggels quer über den Globus, mit all seinen Abwegen, Hintermännern – und unfassbaren Geldsummen. Für Interessierte ist der Podcast ab 24. März 2026 u.a. in der ZDF-Mediathek verfügbar.
So bleibt am Ende die nagende Frage: Wie lange kann das System noch funktionieren, bevor es – zusammen mit seiner Hauptfigur – endgültig kollabiert?
Der neue Dokumentarfilm beleuchtet ungeschönt das komplexe, illegale Geschäft mit Baby-Aalen, bei dem jährlich Milliarden umgesetzt werden. Die Bedrohung des Europäischen Aals steht dabei eindringlich im Fokus: Während Tierschutzverbände seit Jahren Alarm schlagen und EU-Kommissionen teils verbesserte Kontrollmaßnahmen ankündigen, wächst der internationale Markt weiter, besonders angetrieben durch lukrative Abnehmer in Asien. Neueste Berichte (laut tagesschau.de, DW.com) zeigen, wie Schleuser immer neue Routen und Methoden nutzen, um Aale aus Europa nach Fernost zu schmuggeln – selbst angesichts drastischer Bestandsrückgänge. Gleichzeitig kritisieren Wissenschaftler, dass bestehende Regulierungsmaßnahmen oft umgangen werden und fordern strengere internationale Zusammenarbeit, um den Aal vor dem Zusammenbruch zu retten.