Manchmal merkt man erst beim Tanken, wo es im Geldbeutel drückt – oder eben nicht mehr ganz so sehr. Mehrere Bundesländer haben am Freitagmorgen neue Zahlen veröffentlicht, die eines gemeinsam haben: Die Preissteigerung hat sich merklich abgeschwächt. In Nordrhein-Westfalen, wo man fast sagen könnte, das Herz der Republik schlage auch wirtschaftlich, ist die jährliche Inflationsrate von 2,7 auf 2,4 Prozent gerutscht – und das laut dem Statistischen Landesamt nicht ganz ohne Zutun des sogenannten 'Tankrabatts', der seit Monatsanfang greift. Diesel wurde dabei im Schnitt um 10,9 Prozent günstiger, Benzin immerhin um 5 Prozent. Spannend, dass nicht überall der gleiche Effekt zu sehen ist – im Saarland und Rheinland-Pfalz stagniert die Rate hartnäckig, keine Veränderung zum Vormonat. Ansonsten zeichnet sich ein erfreulich ruhigeres Bild ab, etwa im Freistaat Bayern mit 2,6 Prozent nach zuvor 2,9 oder in Niedersachsen von 3,0 auf 2,7 Prozent. Für den Nachmittag steht die große Zahl aus Wiesbaden an: Das Statistische Bundesamt will eine erste Schätzung für ganz Deutschland veröffentlichen. Zwischen 2,5 und 2,7 Prozent dürfte der neue Wert liegen, wenn man ein wenig spekuliert – immer noch eine ordentliche Inflation, aber eben nicht mehr die Schreckenszahl vom April.
Unterm Strich scheint sich der Preisdruck auf Verbraucher in beinahe allen Bundesländern im Mai verringert zu haben. Ein wesentlicher Grund ist offenbar die Entlastung an den Zapfsäulen – der Tankrabatt hinterlässt seine Spuren. Gleichzeitig warnen aber einige Ökonomen davor, die noch immer deutlich über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank liegende Inflationsrate zu unterschätzen: Lohnsteigerungen und Unsicherheiten bei den Energiepreisen könnten weiter für Turbulenzen sorgen. Laut jüngsten Berichten beschäftigen sich viele Experten zudem mit der Frage, wie nachhaltig diese Entspannung tatsächlich ist – oder ob sie schon im Spätsommer durch neue Preisschübe abgelöst wird. Außerdem gibt es Anzeichen, dass steigende Lebensmittelpreise weiterhin ein Problem für die Haushalte bleiben. In den Regionaldaten zeigt sich ebenfalls, dass die unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen und regionale Energieversorgung dafür sorgen, dass der Rückgang der Inflation nicht überall im gleichen Maße spürbar ist.