Dienstagmorgen, es war noch früh, als plötzlich für die komplette Türkei die Sirenen losrasten: „Air Raid Warning Red“. Da wird selbst der entspannteste Bundeswehr-Soldat in der Malatya-Patriotstellung hellwach. Später wird man lesen, dass das Radar der Nato kurz zuvor einen pfeilschnellen Flugkörper registriert hatte – aus Richtung Georgien, gezielt gen türkischen Himmel. Wer jetzt an einen gezielten Angriff dachte, lag, zumindest was das Ziel Ankara betrifft, daneben: Die Rakete krachte ins Schwarze Meer und richtete keinen Schaden an. Rückblickend fast harmlos – die Aufregung aber war real, zumal gleichzeitig das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs vorbereitet wurde. Erst beim Entwirren der Flugbahn und aller verfügbaren Daten wurde klar: Das war 'nur' eine russische Boden-Luft-Rakete aus Abchasien, offenbar völlig am Ziel vorbei. Und dennoch – das alles passt zu den wachsenden Spannungen rund um die Nato-Außengrenzen. Es ist das Nervenflattern unter der Oberfläche, das einen weniger loslässt als jeder politische Redebeitrag.
Kurz vor dem Nato-Gipfel in Ankara wurde die gesamte Türkei nach dem Abschuss einer russischen Flugabwehrrakete bei Abchasien in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Der Flugkörper, durch Nato-Radare als potentielle Bedrohung erkannt, erwies sich nachträglich als fehlgeleitet und stürzte ins Schwarze Meer. Solche Vorfälle verdeutlichen die latenten Gefahren und das wachsende Eskalationspotenzial entlang der Nato-Grenzen zu Russland. In den letzten Tagen warnen verschiedene Medien vor weiteren Zwischenfällen: Etwa berichtete die Deutsche Welle von einer neuen Debatte um die Luftabwehrfähigkeit der Nato, nachdem erneut Drohnen an der rumänischen Grenze abgeschossen wurden. Die Süddeutsche Zeitung analysiert die wachsende Nervosität der Bündnispartner, während russische Militärmanöver in Kaliningrad laufen. Auf spiegel.de wurde am Dienstag das Misstrauen innerhalb der Allianz thematisiert, nachdem russische Kampfflugzeuge nahe der litauischen Grenze Sichtkontakt zu Nato-Jets suchten.