So richtig ins Rollen kommt die Sache angeblich, wenn Gesundheitsministerin Nina Warken sich mit der Bundesärztekammer und dem GKV-Spitzenverband zusammentut – zumindest schreibt das der "Tagesspiegel". In einem ersten Entwurf skizziert Warkens Team verschiedene Ideen, die Prävention nicht länger wie das ungeliebte Anhängsel, sondern als Kern des Systems begreifen. Vorgeschlagen wird unter anderem: digitale Einladungen zu Vorsorgeuntersuchungen direkt auf die Smartphones von Grundschülern und Jugendlichen. Unternehmen, vor allem die kleineren und mittleren, sollen gezielter bei gesundheitsfördernden Maßnahmen für ihre Belegschaft unter die Arme gegriffen bekommen. Mal ehrlich, die Mehrheit aller Beschäftigten arbeitet ja genau dort. Außerdem sollen Bund, Länder und Kommunen im Flickenteppich der Gesundheitsvorsorge enger an einem Strang ziehen – klingt auf dem Papier immer leicht, in der Praxis sieht’s oft anders aus.
Ein Baustein betrifft auch die geplante Pflegereform: Hier soll eine Pflegebegleitung eingerichtet werden, die Pflegebedürftigen bei Prävention und Rehabilitation zur Seite steht. Und die berüchtigten Check-ups für Menschen ab 60 will man ausweiten – eine Maßnahme, die nicht nur als Pflichtübung durchgewunken werden soll.
"Unsere medizinische Versorgung ist schon ziemlich solide aufgestellt", sagte Warken nach dem ersten Gipfeltreffen laut Tagesspiegel, "aber wir müssen uns stärker darauf konzentrieren, Erkrankungen direkt im Keim zu ersticken." Mit dieser Offensive soll eine klare Botschaft gesendet werden: Vorbeugen ist Zukunftsmusik, keine Randnotiz. Warken betont, dass das Thema alle Lebensbereiche und Gruppen umfasst, der Staat aber nicht der Alleskönner sein kann – irgendwo trifft jeder Einzelne schließlich auch selbst Entscheidungen.
Die Initiative knüpft an das Präventionsgesetz von 2015 an, will aber laut Ministerium noch weiter gehen: Ziel ist ein möglichst gesundes Aufwachsen und Arbeiten in Deutschland, Krankheiten und Pflegefälle im Alter zu vermeiden oder zumindest hinauszuzögern. Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung soll steigen – vor allem im Hinblick auf typische Volksleiden wie Herzkreislaufprobleme, psychische Belastungen oder Übergewicht.
Nina Warken setzt mit ihrer Präventionsoffensive ein neues Ausrufezeichen in der Gesundheitspolitik und möchte den Schwerpunkt explizit auf vorbeugende Maßnahmen und frühe Intervention legen. Laut Expertinnen und Experten gewinnt Prävention angesichts der alternden Gesellschaft und steigender Kosten im Gesundheitssystem massiv an Bedeutung; der Ausbau digitaler Angebote und die Vernetzung der Akteure werden als zwingend notwendig angesehen. Kritisch angemerkt wird allerdings, dass der tatsächliche Erfolg am Ende nicht nur an neuen Konzeptpapieren und Pilotprojekten hängen wird, sondern daran, wie sehr diese in den Alltag – von Schulen bis zu Betrieben – wirklich Eingang finden und angenommen werden.