Algerien ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr, wenn es um die Energieversorgung Europas geht – in den letzten Jahren hat das Land durch seine Gaslieferungen bereits für manche Entlastung gesorgt. Merz, stets mit Blick auf politische wie wirtschaftliche Stabilität, setzte nach einem Treffen mit Präsident Tebboune offenbar große Hoffnungen darauf, dass Algerien nicht nur bei Gas, sondern auch beim Handel mit Seltenen Erden und künftig Wasserstoff zum strategischen Partner avanciert. Ganz so geradlinig läuft das natürlich selten: Bürokratische Hürden, rechtliche Unsicherheiten oder schlicht der manchmal spröde Charme algerischer Institutionen standen wirtschaftlicher Zusammenarbeit bisher im Weg – beides Themen, die Merz explizit mit Tebboune angeschoben haben will. Mit Italien gemeinsam wolle man nun den Einstieg in den Wasserstoffmarkt endlich vorantreiben. Investitionen, so Merz, müssten langfristig Rechtssicherheit bieten – damit wirtschaftliche Großprojekte nicht schon am Behördendschungel scheitern. Eigentlich erstaunlich, wie schnell sich globale Abhängigkeiten gerade verschieben.
Merz versucht, Deutschland mittels verstärkter Beziehungen zu Algerien unabhängiger von klassischen Energieimporten wie aus Russland zu machen. Besonders Wasserstoff wird als Zukunftstechnologie ins Spiel gebracht, da Algerien durch seine geografische Lage und Rohstoffvorkommen als potenter Lieferant gilt. Doch rechtliche Unsicherheiten und nicht zuletzt die politische Lage in Algerien könnten weitere Investitionen und Kooperationen erschweren – darüber wurde in den Gesprächen anscheinend offen gesprochen. Hintergrund ist unter anderem Europas Streben nach Diversifizierung der Energiequellen: Algerien ist einer der größten Erdgas-Exporteure Afrikas und für europäische Märkte vor allem wegen der Nähe attraktiv. Laut taz und Spiegel ist der Aufbau des südlichen Wasserstoffkorridors tatsächlich Teil einer europäisch-afrikanischen Energieagenda, die sowohl ökologische als auch geopolitische Interessen verknüpft.