Hausärzte wehren sich gegen mangelnde Wertschätzung aus dem Gesundheitsministerium

Nicola Buhlinger-Göpfarth, die Vorsitzende des Hausärzteverbands, wirft Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Ignoranz gegenüber den Sorgen und Bedürfnissen der Hausärzte vor.

vor 53 Minuten | 2 mal gelesen

In einem bemerkenswert offenen Gespräch am Randes des politischen Alltags lässt Nicola Buhlinger-Göpfarth kein gutes Haar an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Ihrer Meinung nach gehe es der Ministerin vor allem darum, Kliniken, Pharmaunternehmen und Krankenkassen zu hofieren – die Hausärztinnen und Hausärzte blieben dabei komplett außen vor. Buhlinger-Göpfarth spricht fast schon resigniert von den Praxen als 'unsichtbarem Teil' der Gesundheitspolitik, während an anderer Stelle Geld fließt und Applaus verteilt wird. Besonders sauer stößt ihr auf, dass bei Hausärzten Kürzungen stets als unvermeidlicher Sachzwang verkauft werden, während Kliniken und Pharmakonzernen keiner etwas wegnimmt – im Gegenteil, die würden 'über den roten Teppich laufen'. Das Bild erinnert an Partygäste, die durch den Hintereingang kommen und den Müll wegräumen dürfen, während vorne gefeiert wird.

Mit ein Grund für die Verstimmung ist das neue Sparpaket der Regierung für die gesetzliche Krankenversicherung: Hausärzte müssen sich künftig mit knapperen Budgets arrangieren; diverse Leistungen werden entweder gestrichen oder gedeckelt. Immer wieder, so Buhlinger-Göpfarth, kämen Praxen nur dann ins Spiel, wenn es zusätzliche Arbeit zu verteilen gibt – Notfallversorgung, die Streichung telefonischer Krankschreibungen, all das hänge wie ein Schatten über der gesamten Legislaturperiode. Ihre Botschaft an die Ministerin ist dabei klar: 'Wer glaubt, Ärzte würden einfach nur da sein, wenn's brennt, und gehen dann wieder in Deckung, der irrt sich gewaltig.' Das alles klingt weniger nach Dialog als nach leerem Flur und zugeschlagener Tür.

Nicola Buhlinger-Göpfarth, stellvertretend für viele Hausärztinnen und -ärzte in Deutschland, kritisiert eine wachsende Entfremdung zwischen den niedergelassenen Ärzten und der Gesundheitspolitik der Regierung. Ins Zentrum der Kritik rückt ein Sparpaket, das Vergütungsgrenzen für Praxen einführt und sie damit wirtschaftlich stärker unter Druck setzt – ganz im Gegensatz zur großzügigeren Behandlung von Kliniken und Pharmaunternehmen. Gleichzeitig zeigt sich laut aktueller Berichte wachsender Frust unter Hausärzten über zusätzliche Aufgaben, gestiegene Bürokratie und wenig Unterstützung in Krisenzeiten, was das ohnehin wachsende Versorgungsproblem auf dem Land weiter verschärft. Aktuelle Entwicklungen deuten darauf hin, dass in einigen Regionen bereits jetzt Patienten Schwierigkeiten haben, überhaupt einen Termin zu bekommen – diese Trends werden durch politische Unsicherheit und fehlende Perspektiven noch verstärkt. Die Bundesärztekammer, aber auch Bürgerinitiativen, fordern mittlerweile verstärkt einen Dialog über finanzielle und strukturelle Absicherung der hausärztlichen Versorgung.

Schlagwort aus diesem Artikel