Wenn Peter Sloterdijk zur Lage der Politik befragt wird, spricht selten höfliche Zurückhaltung aus ihm – so auch im jüngsten Gespräch mit dem 'Focus'. Was die AfD angeht, lässt er kaum ein gutes Haar an der Partei. Sloterdijk beschreibt sie als 'Sammelsurium ratloser Angeber', wobei er keinen Zweifel daran lässt, wie gering er deren Kompetenz oder gar Innovationskraft einschätzt. Interessant ist, wie er die Gründe für den Aufstieg der Partei sieht: Nicht Überzeugung, sondern Resignation – dieses Gefühl, wenn politisch alles irgendwie festgefahren wirkt und ein 'Na, dann probier ich halt mal was anderes…' die eigene Stimme leitet. Zu den Plänen der AfD, sich in Sachsen-Anhalt auf das Modell einer 'illiberalen Demokratie' nach Orbáns Vorbild zu berufen, fällt ihm dann nur noch ein kopfschüttelndes Fazit ein: 'Illiberal' tauge gewiss nicht als Tugend. Aber, so Sloterdijk, gerade darin liege das Zynische – eine neue Art, aus der Abkehr von Moral einen festen Standpunkt zu machen. Ganz ehrlich: Man merkt dem Philosophen da eine Mischung aus Fassungslosigkeit und fast schon resigniertem Sarkasmus an. Und irgendwie ist das bemerkenswert.
Peter Sloterdijk bezieht in einem Interview klar Stellung gegen die AfD, die er durchwegs als orientierungslose Selbstdarsteller-Partei charakterisiert. Besonders kritisch sieht er nicht nur ihre politische Substanz, sondern auch das gesellschaftliche Klima, das aus Verdrossenheit heraus einen solchen Erfolg erst möglich mache. Interessanterweise stößt seine Analyse – vielleicht symptomatisch für das intellektuelle Klima Deutschlands derzeit – auf Zustimmung, aber auch auf heftige Ablehnung, was wiederum zeigt, wie polarisiert der Diskurs wirklich ist. Im aktuellen Deutschlandtrend liegt die AfD weiter bei rund 20 Prozent, während Beobachter wie die Süddeutsche Zeitung die Rolle der politischen Resignation und Entfremdung vom sogenannten 'Establishment' als maßgeblich für diese Entwicklung einschätzen. Fast ironisch steht dazu die neue Strategie der AfD, unverblümt auf Vorbilder wie Viktor Orbán zu verweisen, was in liberalen Kreisen als gefährlicher Tabubruch gewertet wird.