IOC entscheidet: Zukünftig müssen Sportlerinnen einen Gen-Test vorlegen

Das Internationale Olympische Komitee führt verpflichtende genetische Tests für weibliche Athletinnen ein – ein Schritt, der weltweit für Diskussionen sorgt.

heute 15:12 Uhr | 4 mal gelesen

Am Donnerstag hat das IOC offiziell bekannt gegeben, dass in Zukunft ausschließlich Frauen ohne Y-Chromosom bei Frauen-Wettkämpfen zugelassen sein werden. Wer unter einer sogenannten "Störung der Geschlechtsentwicklung" leidet – etwa wenn der Körper auf Testosteron nicht anspricht (wie beim Androgeninsensitivitätssyndrom) –, könnte jedoch eine Ausnahme bilden. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry machte klar: "Es ist doch offensichtlich, dass es nicht fair wäre, würden Männer in Frauenklassen starten." Außerdem sieht sie gerade in sehr physischen Sportarten teils sogar Sicherheitsrisiken. Die Debatte um Geschlechtertests im Sport ist keinesfalls neu: Schon in den 1940ern diskutierte man in den Gremien darüber. 1966 verlangten Organisatoren der Leichtathletik-EM, dass Athletinnen sich vor Ärzten entblößen und untersuchen lassen – ein Vorgang, der heute schockiert. 1967 wurde auf Speichelabstrich-Tests umgeschwenkt, um das Chromosomenprofil zu bestimmen. Damals traf es die polnische Läuferin Ewa Klobukowska – sie wurde gesperrt, gebar aber später einen Sohn. Ab den 1990ern folgten DNA-Analysen bei "Verdachtsfällen" sowie verpflichtende Operationen für transgeschlechtliche Menschen. 2011 experimentierte der Leichtathletik-Verband mit Testosterontests, was dazu führte, dass gesunde Frauen Medikamente gegen ihren natürlichen Hormonspiegel einnehmen mussten – mit drastischen Folgen für Gesundheit und Privatsphäre. Welche Auswirkungen der neue Beschluss haben wird, bleibt (trotz aller Begründungen) unter Sportlerinnen und Mediziner*innen umstritten. Und ehrlich gesagt: Ganz wohl ist einem dabei nicht.

Das IOC hat eine neue Bestimmung durchgesetzt, wonach Athletinnen, die an Frauenwettbewerben teilnehmen wollen, sich genetisch testen lassen müssen – konkret geht es um das Fehlen des Y-Chromosoms. Ausnahmen betreffen Menschen mit Störungen der Geschlechtsentwicklung, in deren Körper zum Beispiel männliche Hormone zwar vorhanden, aber wirkungslos sind. Diese Entscheidung steht in einer langen, oft umstrittenen Tradition von Geschlechtsüberprüfungen im Leistungssport, bei der in den letzten Jahrzehnten vielfältige Methoden – von der Zwangsuntersuchung bis zu Hormonblockern – angewandt wurden und wiederholt für Empörung sorgten. Kritiker argumentieren, solche Tests seien diskriminierend und lassen die Komplexität von Geschlecht, genetischen Variationen und sportlicher Fairness außer Acht. Eine Recherche aktueller Artikel zeigt, dass die Diskussion durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Debatten zur Inklusion von trans- und intergeschlechtlichen Menschen immer emotionaler geführt wird. Die ethischen, gesundheitlichen und soziokulturellen Konsequenzen des IOC-Beschlusses werden weltweit kontrovers diskutiert.

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